Die Ducati findet den Rhythmus: San Diego als Standortbestimmung
Dylan Ferrandis auf der Troy Lee Designs Ducati beim Supercross San Diego 2026. / Foto: Ducati
Beim zweiten Lauf der AMA Supercross Championship 2026 in San Diego rückte weniger das Ergebnis als das Gesamtbild in den Fokus. Dylan Ferrandis trug Troy Lee Designs Red Bull Ducati Factory Racing ohne den verletzten Justin Barcia allein – und zeigte dabei vor allem eines: Die Ducati funktioniert zunehmend so, wie ein Supercross-Bike funktionieren muss.
Ein Kurs, der Klarheit schafft
Der enge Kurs im Snapdragon Stadium verlangte Präzision. Kurze Gaps, schnelle Richtungswechsel und wenig Raum für Korrekturen legten offen, ob ein Motorrad Balance und Traktion zusammenbringt. Genau hier machte die Ducati einen spürbaren Schritt. Bereits im Training ging es Ferrandis darum, das Paket zu sortieren: Gasannahme, Stabilität beim Anbremsen, Ruhe im Chassis.
Die Anpassungen zwischen den Qualifying-Sessions zahlten sich aus. Der Zeitgewinn kam nicht durch mehr Risiko, sondern durch ein Motorrad, das verlässlicher reagierte und dem 31-Jährigen mehr Spielraum gab. Die Ducati blieb kontrollierbar, auch wenn der Grip wechselte – ein wichtiges Signal auf einem Kurs, der Fehler sofort bestraft.
Technik, die Arbeit abnimmt
Im Heat Race zeigte sich, wie sich diese Entwicklung im Rennen anfühlt. Ferrandis kam gut weg, hielt Positionen und arbeitete sich nach vorn. Auffällig war die Art, wie das Bike im Verkehr blieb: keine Nervosität, sauberes Herausbeschleunigen, stabile Linien. Überholmanöver entstanden aus Timing und Traktion, nicht aus Hektik.
Im Main Event setzte sich dieses Bild fort. Nach einem mittelmäßigen Start konnte Ferrandis konstant Plätze gutmachen. Besonders in den Rhythmussektionen ließ sich das Motorrad offensichtlich präzise platzieren, ohne an Vortrieb zu verlieren. Ein kurzer Fehler in den Whoops kostete Zeit, änderte aber nichts am Grundgefühl: Das Paket blieb stabil, die Rückkehr in den Rhythmus gelang schnell.
Fortschritt mit Substanz
Rang neun ist kein Ziel, sondern ein Zwischenstand. Entscheidend ist, dass die Ducati inzwischen als geschlossenes System arbeitet. Motorcharakteristik, Fahrwerk und Chassis greifen ineinander, das Feedback passt, die Anpassungen zeigen Wirkung. Ferrandis sprach nach dem Rennen davon, dass sich Team und Fahrer mit dem aktuellen Stand wohlfühlen – ein Satz, der im Entwicklungsprozess Gewicht hat.
Blick nach Anaheim
Mit besseren Starts kann dieses Paket weiter nach vorne rücken. San Diego hat gezeigt, dass die Basis stimmt und die Richtung klar ist. Der nächste Schritt wird darin bestehen, diese Performance früher im Rennen abzurufen – und sie in greifbarere Ergebnisse zu übersetzen.
