Deutsche Präsenz in der 250SX West: Fortschritt, Vielfalt und ein neues Team

Dominique Thury zeigte beim Supercross San Diego, dass er den Speed für die 250SX Western Regional Serie hat

Dominique Thury zeigte beim Supercross San Diego, dass er den Speed für die 250SX Western Regional Serie hat. / Foto: Ayden Greene

Die 250SX Western Division ist kein leichtes Pflaster – weder sportlich noch strukturell. Das Feld ist tief, das Tempo hoch, Fehler werden sofort bestraft. Umso bemerkenswerter ist es, dass sich mehrere deutsche Fahrer genau hier behaupten wollen. Das jüngste Beispiel: ein Wochenende, das weniger von Ergebnissen als von Entwicklung, Mut und neuen Ansätzen geprägt war.

Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die individuelle Leistung der Fahrer, sondern auch ein neues Projekt im Hintergrund: das CDF Racing Team. Für Nico Koch und Paul Bloy ist es der erste größere Auftritt unter dieser neuen Flagge – und der bringt gleich eine Besonderheit mit sich.

Ein Team, zwei Motorräder

Interessant ist vor allem der technische Ansatz von CDF Racing. Obwohl Koch und Bloy im selben Team antreten, setzen sie auf unterschiedliche Motorräder. Koch geht auf KTM an den Start, Bloy hingegen auf GasGas. Für Bloy bedeutet das zudem eine Sonderrolle: Er gehört zu einer kleinen Gruppe von nur noch wenigen Fahrern, die im 250SX-West-Feld auf ein Bike dieser Marke unterwegs sind.

GasGas ist sichtbar in der Minderheit – was den Einsatz nicht einfacher, aber umso auffälliger macht. Für ein neues Team ist dieser Ansatz mutig, liefert aber wertvolle Vergleichswerte und zeigt, dass man nicht auf den bequemsten Weg setzt.

Nico Koch: Solide Basis im Lernprozess

Für Koch war das Wochenende vor allem eines: Arbeit. Rang 24 im kombinierten Zeittraining bedeutete eine schwierige Ausgangslage. Im Heat Race wurde er trotz DNF auf Platz 19 gewertet. Im LCQ belegte er Rang 15 und konnte sich damit nicht für das Main Event qualifizieren.

Dennoch, gerade in der 250SX West zählt jeder gefahrene Meter. Für Koch geht es aktuell weniger um Schlagzeilen als darum, sich an Rhythmus, Intensität und Startphasen dieser Klasse zu gewöhnen. Die Basis ist gelegt, der Rest braucht Zeit.

Paul Bloy: Rückschlag mit Lerneffekt

Auch Bloy hatte kein einfaches Wochenende. Platz 27 im Zeittraining, Rang 12 im Heat Race – und dann ein Sturz im LCQ, der ihn bis auf Platz 20 zurückwarf. Das Ergebnis liest sich nüchtern, erzählt aber nicht die ganze Geschichte. Denn gerade für Bloy ist der Step in die US-Supercross-Szene und die Arbeit im neuen Team ein Prozess. In einer Klasse, in der Feinabstimmung und Startpositionen entscheidend sind, können kleine Unsauberkeiten große Folgen haben. Trotzdem: Jeder Start, jede Runde fließt in die Entwicklung ein – persönlich wie technisch.

Dominique Thury: Zeichen gesetzt trotz Rückschlägen

Abseits des neuen Teams sorgte Dominique Thury für das stärkste sportliche Ausrufezeichen aus deutscher Sicht. Auch wenn er das Main Event verpasste, war seine Leistung ein klares Signal. Nach einem Startcrash im Heat Race – inklusive verlorenem Schalthebel – zeigte Thury im LCQ ein starkes Comeback.

Von fast ganz hinten kämpfte er sich bis auf Rang fünf nach vorne und attackierte in der letzten Runde sogar Platz vier, den letzten Transferplatz für das Main Event, ehe ein Sturz den Lauf beendete. Entscheidend war jedoch weniger das Resultat als der Eindruck: Tempo, Aggressivität und vor allem wieder sichtbarer Spaß auf dem Motorrad. Ein Detail, das in dieser Klasse oft den Unterschied macht.

Kein Glanz, aber Substanz

Aus deutscher Sicht war es kein 250SX-Wochenende für große Ergebnisse – aber eines mit klarer Richtung. Ein neues Team, unterschiedliche technische Wege und Fahrer, die sich bewusst einer der härtesten Klassen im Supercross stellen. Fortschritt zeigt sich hier nicht immer in Zahlen, sondern in Gefühl, Geschwindigkeit und Lernkurven.

Die 250SX Western Division ist brutal ehrlich. Doch genau deshalb ist jeder Schritt nach vorne wertvoll. Und genau diese Schritte haben die deutschen Fahrer an diesem Wochenende gemacht.