Dakar: Schareina schlägt zurück, Sanders wieder vorn

Tosha Schareina war auf Etappe 9 der Dakar 2026 der Schnellste.

Tosha Schareina war auf Etappe 9 der Dakar 2026 der Schnellste. / Foto: HRC

Die Etappe ab Wadi ad Dawasir war keine, die man mit roher Geschwindigkeit gewinnt. Sie war eine für den Kopf. Für Übersicht, für Geduld – und für die Fähigkeit, im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen. Genau das hat an diesem Tag das Klassement der Rallye spürbar verschoben.

Navigation statt Vollgas

Die Marathon-Refuge-Etappen folgen ihren eigenen Regeln. Kein Service, wenig Komfort, dafür maximale Eigenverantwortung. Wer hier fährt wie an einem normalen Rallyetag, verliert. Und genau das passierte einigen der Protagonisten der vergangenen Tage. Früh sorgten knifflige Navigationspassagen dafür, dass sich das Feld auseinanderzog. Kleine Fehler hatten große Folgen – vor allem dort, wo mehrere Linien möglich waren und nur eine wirklich funktionierte.

Schareina liest die Strecke besser als alle anderen

Der Mann des Tages war Tosha Schareina. Der Spanier traf früh eine entscheidende Wahl, als er in einem Canyon die richtige Option nahm, während mehrere seiner direkten Konkurrenten danebenlagen. Von dort an baute er seinen Vorteil konsequent aus. Am Ende stand nicht nur der Etappensieg, sondern ein deutliches Ausrufezeichen: 6:24 Minuten Vorsprung auf Daniel Sanders, 6:22 Minuten auf Teamkollege Ricky Brabec.

Für Schareina ist es ein Tag mit gemischten Gefühlen. Sportlich ein Volltreffer, strategisch eine Erinnerung daran, was möglich gewesen wäre. Der Zeitverlust aus der ersten Marathon-Etappe – inklusive einer Zehn-Minuten-Strafe – wiegt weiterhin schwer. Ohne diesen Makel wäre er jetzt mitten im erwarteten Zweikampf um den Gesamtsieg. So bleibt ihm vorerst „nur“ Rang vier, allerdings mit auf 15 Minuten geschrumpftem Rückstand.

Sanders profitiert, ohne zu glänzen

Daniel Sanders musste an diesem Tag nicht der Schnellste sein, um zu gewinnen. Der amtierende Champion spielte seine Erfahrung aus und kam vergleichsweise unbeschadet durch eine Etappe, die viele aus dem Rhythmus brachte. Während andere Zeit liegen ließen, begrenzte Sanders den Schaden – und genau das zahlte sich aus.

Durch die Navigationsprobleme seines KTM-Teamkollegen Luciano Benavides, dessen zuvor starke Gesamtposition einen deutlichen Dämpfer erhielt, rückte Sanders wieder an die Spitze der Gesamtwertung vor. Sein Vorsprung auf Ricky Brabec beträgt nun 6:24 Minuten.

Brabec bleibt in Schlagdistanz

Für Ricky Brabec ist dieser Rückstand alles andere als ein Grund zur Resignation. Im Gegenteil: Die Ausgangslage vor dem zweiten Teil der Marathon-Refuge-Etappe ist fast ideal. Brabec startet drei Minuten hinter Sanders – ein taktischer Vorteil, der in diesem Gelände Gold wert sein kann. Spuren lesen, Fehler der Konkurrenz erkennen, Druck aufbauen, ohne selbst navigieren zu müssen: Das ist genau das Szenario, in dem der Amerikaner besonders gefährlich wird.

Ein Blick auf die Deutschen

Erneut finden wir Maxi Schek im Gesamtklassement auf Position 32. Der KTM Pilot hat auf Stage 9 wieder etwas Zeit auf den Führenden verloren und liegt nun mit 8 Stunden und 56 Minuten hinter dem Führenden Sanders. Markus Hertlein verbesserte sich auf Platz 73.

Noch lange keine Entscheidung

So klar die Zahlen auf dem Papier wirken mögen – komfortabel ist dieser Vorsprung für niemanden. Die zweite Hälfte der Marathon-Etappe wartet noch, das Material ist angeschlagen, die Fahrer sind es ebenfalls. Jeder Fehler, jede falsche Linie kann das Bild erneut drehen.

Was diese Etappe einmal mehr gezeigt hat: Diese Rallye wird nicht nur mit dem Gasgriff entschieden. Sie wird gelesen, gedacht und manchmal auch erlitten. Und genau deshalb ist sie noch lange nicht entschieden.

Gesamtwertung der Dakar 2026 nach Stage 8 (Top 20)

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