Dakar Rally 2026 – Etappe 6: Stark gefahren, teuer bezahlt
Daniel Sanders erhielt im Ziel mit einer Zeitstrafe und verpasste so den Etappensieg. / Foto: Edo Bauer
Die Dakar Rally 2026 hat auf der sechsten Etappe einmal mehr gezeigt, wie schmal der Grat zwischen Glanzleistung und Rückschlag ist. Auf dem mit 920 Kilometern längsten Tag der Rallye – davon 331 Kilometer Wertungsprüfung durch die endlosen Dünen der Qassim-Region – stand vor allem ein Name im Fokus: Daniel Sanders.
Sanders dominiert – und zahlt Lehrgeld
Der Australier lieferte sportlich eine der stärksten Vorstellungen der bisherigen Rallye ab. Von Beginn an schnell unterwegs, arbeitete er sich nach vorne, fing erst Nacho Cornejo, dann Teamkollege Luciano Benavides ab und setzte sich an die Spitze der sandigen Prüfung. Im Ziel lag er 4:43 Minuten vor der Konkurrenz – eigentlich ein klares Statement.
Doch genau dort bekam der starke Auftritt einen bitteren Beigeschmack: Ein übersehener Tempolimit-Bereich brachte Sanders eine Sechs-Minuten-Strafe ein. Statt Etappensieg blieb am Ende nur Rang drei. In der Gesamtwertung verteidigte er zwar die Führung, sein Vorsprung schrumpfte jedoch auf 45 Sekunden.
Sanders selbst sprach nach der Etappe von einem „emotionalen Auf und Ab“ und räumte ein, dass sich in der ersten Rallyewoche zu viele kleine Fehler eingeschlichen hätten. Die Geschwindigkeit stimme, jetzt gehe es darum, die zweite Woche sauberer zu gestalten.
Brabec profitiert von Konstanz
Während Sanders sportlich vorne lag, war es Ricky Brabec, der am Ende als Etappensieger aus dem Tag hervorging. Der US-Amerikaner fuhr weniger spektakulär, aber konstant – und genau das zahlt sich bei der Dakar aus. Mit seinem zwölften Etappensieg bestätigte Brabec seine Rolle als härtester Verfolger des Gesamtführenden. Nach wie vor ist er der einzige RallyGP-Fahrer, der sich bislang keinen gravierenden Fehler geleistet hat. Der Rückstand: nur 45 Sekunden.
Schareina und Benavides im Kampf ums Podium
Für Tosha Schareina verlief die Etappe weniger nach Plan. Nach einer Zeitstrafe am Vortag wollte der Spanier angreifen, musste aber akzeptieren, dass sein Comeback begrenzt blieb. Zwar verhinderte die Strafe gegen Sanders Schlimmeres, dennoch ging es für Schareina mit 11:56 Minuten Rückstand auf die Spitze in den Ruhetag – allerdings liegt er nur knapp hinter Benavides im Kampf um Rang drei.
Benavides selbst hatte die anspruchsvolle Aufgabe, große Teile der Etappe zu eröffnen. Nachdem ihn Sanders früh einholte, nahm der Argentinier bewusst Tempo raus, setzte auf saubere Navigation und Schadensbegrenzung. Platz sechs – begünstigt durch Bonuszeit – reichte, um Gesamtrang drei zu festigen. Der Rückstand auf Sanders beträgt nun etwas mehr als zehn Minuten.
Durchhalten statt angreifen
Einen soliden, wenn auch unspektakulären Tag erlebte Edgar Canet. Nach den Problemen auf Etappe fünf kämpfte sich der Youngster zurück und erreichte Rang 15 – wichtig vor allem, um die Rallye ohne weitere Rückschläge fortsetzen zu können.
Aus deutscher Sicht, rangiert Maxi Schek nach der sechsten Etappe auf Platz 32 und ist weiterhin in der Rookie-Wertung auf Platz 7 zu finden.
Fazit vor dem Ruhetag
Etappe sechs war ein Musterbeispiel für das Wesen der Dakar: Tempo allein reicht nicht. Sanders zeigte, dass er aktuell der schnellste Mann im Sand ist, bezahlte seine Angriffslust jedoch teuer. Brabec bleibt der Inbegriff von Konstanz, Benavides verwaltet clever, Schareina lauert.
Mit dem Ruhetag vor Augen ist klar: Die Rallye ist zur Halbzeit enger denn je – und die zweite Woche verspricht, noch härter zu werden.
