Dakar 2026 – Etappe 5: Benavides aus dem Schatten, Sanders mit Kalkül

Luciano Benavides gewinnt Etappe 5 der Dakar 2026.

Luciano Benavides gewinnt Etappe 5 der Dakar 2026. / Foto: Edo Bauer

Manche Fahrer tauchen selten im Rampenlicht auf – und schlagen dann genau dann zu, wenn es zählt. Luciano Benavides hat diese Fähigkeit perfektioniert. Schon 2023 wurde er Weltmeister, ohne ein einziges Event zu gewinnen, und auch bei der Dakar 2025 ließ er mit zwei Etappensiegen aufhorchen, bevor er am Ende knapp am Podium vorbeischrammte. Auf Etappe fünf der Dakar 2026 zeigte der Argentinier erneut genau dieses Muster.

Über die 356 Kilometer lange Wertungsprüfung setzte Benavides die Bestzeit und arbeitete sich damit erstmals in seiner Karriere in die Top 3 der Gesamtwertung vor. Sein Rückstand auf den Führenden im eigenen Team beträgt nun 5:55 Minuten – ein klares Statement zur Halbzeit der Rallye.

KTM-Doppelschlag mit Strategie

Während Benavides offensiv fuhr, agierte Daniel Sanders strategisch. Der Australier nutzte die Route nach Ha’il clever, ließ nichts anbrennen und fuhr die viertbeste Zeit, nur 5:50 Minuten hinter seinem Teamkollegen. Damit übernahm der Titelverteidiger wieder die Gesamtführung.

Vieles deutet darauf hin, dass KTM hier bewusst mit Taktik gearbeitet hat: Sanders wird die nächste Etappe – fast vollständig durch Dünen – aus einer günstigen Startposition angehen können und hat möglicherweise sogar einen „Verbündeten“ bei der Navigation im weiteren Verlauf der Prüfung.

Starke Einzelresultate hinter den KTM-Piloten

Auch abseits der orangefarbenen Motorräder gab es positive Ausrufezeichen. Nacho Cornejo fuhr seine bislang stärkste Etappe der Rallye und belegte auf seiner Hero Platz zwei3:51 Minuten hinter Benavides. Ebenfalls bemerkenswert: Bradley Cox wurde Vierter7:22 Minuten hinter dem Tagessieger. Damit stellte er sein bestes Dakar-Ergebnis ein – ein Resultat, das er zuvor nur einmal erreicht hatte (Etappe 1, 2024).

Rückschläge bei KTM und Honda

Nicht für alle Favoriten verlief der Tag positiv. Bei KTM endete die starke Anfangsphase von Edgar Canet abrupt. Nach seinen Siegen im Prolog und auf Etappe eins ist der Youngster nun weit zurück: Ein sich auflösender Mousse-Einsatz am Hinterrad kostete ihn massiv Zeit. Unabhängig von der exakten Minute ist klar, dass Canet aus dem Kampf um die Spitzenplätze ausgeschieden ist.

Auch bei Monster Energy Honda HRC gab es gemischte Gefühle. Ricky Brabec überzeugt weiterhin mit Konstanz und rückt damit immer stärker in die Rolle des internen Teamleaders. Ganz anders lief es für Tosha Schareina: Ein folgenschwerer Regelverstoß – er verließ den Biwak-Bereich nicht korrekt zwischen den Markierungen – brachte ihm eine 10-Minuten-Strafe ein. Statt Podium liegt er nun auf Rang vier und hat rund zwölf Minuten Rückstand auf Sanders.

Für Adrien Van Beveren wurde es ein rabenschwarzer Tag. Nach bereits schwierigen Etappen verlor der Franzose diesmal über 30 Minuten, unter anderem durch einen Draht, der sich nach 88 Kilometern im Rad verfing. Auch Ross Branch musste Federn lassen und liegt nun 1 Stunde und 23 Minuten hinter der Spitze zurück – zu viel, um realistisch noch vom Gesamtsieg zu träumen.

Etappe fünf hat das Bild der Dakar 2026 geschärft: Benavides meldet sich eindrucksvoll zurück, Sanders beweist Übersicht und taktisches Gespür, während mehrere Topfahrer wertvolle Zeit verloren haben. Mit den kommenden Dünenetappen und dem Ruhetag vor Augen ist klar: Die Rallye ist offen – aber sie verzeiht weiterhin keine Fehler.

Gesamtwertung der Dakar 2026 nach Stage 5

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