Cooper Webb: Frust auf dem Papier, Fortschritt auf der Strecke
Cooper Webb beim Anaheim 2 SX mit leichter Aufwärtskurve. / Foto: Feld Entertainment
Platz fünf ist für Cooper Webb kein Ergebnis, das man feiert. Vor allem nicht, wenn man als amtierender 450SX-Champion an den Start geht. Und trotzdem fühlte sich Anaheim 2 für Webb anders an als die nackte Ergebnisliste vermuten lässt. Nicht als Rückschritt – sondern als längst überfälliger Schritt nach vorn.
Endlich wieder „im Mix“
Webb selbst bringt es ziemlich treffend auf den Punkt: Sein Ziel ist immer das Podium. Das war auch in Anaheim nicht anders. Aber im Gegensatz zu den ersten Saisonrennen hatte er diesmal das Gefühl, wirklich Teil des Rennens zu sein. Nach einem schwierigen Start – eingeklemmt neben Hunter Lawrence und Jorge Prado – arbeitete er sich nach vorne, machte Überholmanöver und schloss sogar zur Spitzengruppe auf.
Der Moment, in dem er erkannte, dass er Eli Tomac vor sich hatte und realistisch daran dachte, ihn zu überholen, war für Webb ein Wendepunkt. Nicht im Rennen – sondern mental. „Das ist ein gutes Gefühl“, sagte er. Ein Zeichen, dass Speed, Vertrauen und Rennfluss wieder zusammenkommen.
Der Sturz: klein, aber teuer
Der Knackpunkt kam, als Webb versuchte, in der Sandsektion einen Pass gegen Tomac vorzubereiten. Kein übertriebener Move, kein Himmelfahrtskommando – einfach ein Versuch, das Rennen auf dem Podium zu beenden. Ein kleiner Fehler, ein Sturz, und plötzlich ging es nicht mehr um das die Champagner-Dusche, sondern um Schadensbegrenzung.
Genau das machte den Abend so bitter. Nicht weil Webb schlecht war, sondern weil er endlich wieder gut war – und es sich trotzdem nicht auf dem Ergebnisbogen widerspiegelte.
Technik als Schlüssel: weniger Peak, mehr Rennpace
Ein interessanter Punkt: Der Fortschritt kam nicht zufällig. Webb und sein Team änderten unter der Woche das Fahrwerks-Setup – konkret wechselte er zurück auf eine der beiden Gabel-Optionen, zwischen denen er seit zwei Jahren pendelt. Das Ergebnis: vielleicht etwas weniger absolute Spitze, dafür mehr Konstanz über die Distanz.
Für Webb ein wichtiger Schritt. Nicht die schnellste Runde zählt im Supercross, sondern die Fähigkeit, über 20 Minuten fehlerfrei Druck zu machen. Genau das funktionierte in Anaheim deutlich besser.
„Sargnagel“ – ehrlich, emotional, vielleicht zu hart
Für Schlagzeilen sorgte Webbs Aussage im TV, Anaheim 2 könne der „Sargnagel“ seiner Titelverteidigung gewesen sein. Im Nachhinein relativierte er das selbst. Er habe gedacht, weiter hinten in der Meisterschaft zu liegen, als es tatsächlich der Fall ist. Dramatisch? Ja. Unaufrichtig? Nein.
Webb sprach nach dem Rennen offen darüber, wie viel Herzblut er investiert – und wie frustrierend es ist, wenn sich das nicht in Resultaten niederschlägt. „Du kannst alles richtig machen, und es garantiert dir trotzdem nichts.“ Das ist kein Alibi, sondern die Realität dieses Sports.
Startposition statt Grundsatzproblem
Interessant ist auch Webbs eigene Analyse: Er sieht kein grundsätzliches Defizit mehr. Keine große Baustelle am Bike, kein fehlender Speed. Seine Überzeugung: Mit einem Top-3-Start hätte er in Anaheim um den Sieg fahren können. Der chaotische Start neben Prado und Lawrence war rückblickend vielleicht nicht die klügste Gate-Wahl – aber solche Entscheidungen trifft man in Sekundenbruchteilen.
Und genau hier liegt der Hebel: Track Position. Nicht Revolution, sondern Feinjustierung.
Die Richtung stimmt – jetzt zählt das Resultat
Anaheim 2 war für Cooper Webb kein Befreiungsschlag, aber ein wichtiges Lebenszeichen. Er kam von hinten, attackierte, setzte die Whoops sauber um, traf seine Linien und brachte sogar Tomac kurz unter Druck. Das ist kein Fahrer, der verloren wirkt. Aber Webb weiß auch: Irgendwann reicht das Gefühl nicht mehr. Jetzt muss ein Ergebnis her. Podium. Sieg. Etwas, das auf dem Papier steht.
Houston wird deshalb mehr als nur die nächste Runde. Es wird der Moment, in dem sich zeigen muss, ob der Fortschritt auch endlich sichtbar wird. Denn eines ist klar: Der Champion ist noch da. Jetzt muss er es wieder beweisen.
