Colt Nichols im Interview: ZwischenNeustart in Oklahoma und der WSX 2026
Colt Nichols im Unfiltered Interview mit Kristen Beat. / Foto: Chase Lennemann
Kristen Beat traf für „Unfiltered“ den HEP Motorsports Suzuki Piloten Colt Nichols. Im Gespräch ging es um seinen Umzug zurück nach Oklahoma, die besondere Atmosphäre im Suzuki-Team, seine kurze, aber starke World-Supercross-Saison 2025 – und darum, warum er sich für 2026 durchaus als Titelkandidat sieht.
Zurück in Oklahoma
Für Nichols war der Umzug von Kalifornien zurück nach Oklahoma mehr als nur ein Ortswechsel. Nach zehn Jahren an der Westküste habe sich vieles dort „ein bisschen ausgelaufen“ angefühlt. Freunde seien weggezogen, Trainingsstrecken verschwunden, der Alltag sei komplizierter geworden.
„Es fühlt sich hier mehr nach Zuhause an“, erklärt Nichols. „Die Leute um mich herum kenne ich teilweise mein ganzes Leben. Es ist familiärer, echter – und ich habe seit dem Umzug wieder deutlich mehr Spaß.“
Auch sportlich passt das Umfeld. Nichols trainiert wieder bei Robbie Reynard und gemeinsam mit Justin Bogle – einem Fahrer, den er seit Kindertagen kennt. „Mit Justin zu trainieren, war unglaublich cool. Wir sind früher gegeneinander gefahren, seit wir sechs Jahre alt waren. Jetzt wieder zusammen auf der Strecke zu sein, macht einfach Spaß.“
World Supercross 2025: wenig Rennen, starke Wirkung
Nichols bestritt 2025 nur zwei Läufe der World Supercross Championship: Stockholm und Kapstadt. In Stockholm wurde er Fünfter, in Kapstadt holte er als Dritter den Sprung aufs Podium.
Gerade Stockholm blieb ihm aber aus einem anderen Grund im Gedächtnis. In einem der Rennen hatte Nichols einen heftigen Sturz, konnte aber später wieder antreten. „Es tat definitiv weh“, sagt er. „Aber ich wusste ziemlich schnell, dass es eher ein Stinger war und nichts Ernstes. Ein paar Stunden später, ein paar Advil später – dann ging es wieder.“
Sportlich war die Ausgangslage ungewöhnlich. Nichols kam spät in die Serie, sprang bei HEP Suzuki praktisch in eine Situation hinein, die vorher von Ken Roczen geprägt war. Druck habe er dabei aber kaum verspürt. „Ich hatte keine Erwartungen aus Meisterschaftssicht. Das hat es fast leichter gemacht.“
Kapstadt als Wendepunkt
Besonders wichtig war für Nichols der Auftritt in Kapstadt. In einem Rennen kam er nach schlechtem Start von Platz neun bis auf Rang drei nach vorne – mit sechs Überholmanövern in weniger als drei Runden.
„Das hat mir gezeigt, dass ich immer noch mit den Jungs kämpfen kann, die Rennen gewinnen und auf dem Podium stehen“, sagt Nichols. „Ich war an diesem Tag in einer guten Position – mit dem Bike, mit dem Team und mit mir selbst.“
Für ihn war genau dieses Gefühl entscheidend. „Wenn du dein Potenzial abrufst, macht Racing Spaß. Wenn nicht, ist es ein mieses Gefühl.“
Suzuki: alt, aber nicht stehen geblieben
Ein großes Thema im Gespräch war die Suzuki RM-Z450. Das Bike gilt seit Jahren als technisch älter als viele Konkurrenzmodelle. Nichols sieht das differenzierter.
„Ja, das Motorrad hat sich nicht stark verändert. Ja, wir haben noch keinen E-Start. Aber es entwickelt sich trotzdem weiter“, sagt er. „Man muss das Bike auf den Fahrer anpassen. Ich versuche nicht, Ken Roczen zu kopieren. Ich will die beste Version von Colt Nichols sein.“
In den vergangenen Wochen habe das Team größere Änderungen getestet, unter anderem mit Impulsen von Jason Anderson und Justin Bogle. Vor allem Bogles Setup habe Nichols überrascht. „Ich bin sein Bike gefahren und dachte: Wow, das ist besser, als ich erwartet hatte.“
HEP Suzuki als Wohlfühlort
Nichols spricht auffällig positiv über die Atmosphäre im HEP Motorsports Suzuki Team. Für ihn sei das kein klassisches Teamgefüge, sondern eher ein familiäres Umfeld.
„Es fühlt sich wirklich wie ein Team an“, sagt er. „Dustin und Aaron machen einen großartigen Job. Man merkt diesen Familienaspekt. Es sind einfach gute Leute dort.“
Besonders schätzt Nichols, dass Teamchef Dustin Pipes seinen Fahrern Freiraum lässt. „Er bleibt in seiner Rolle. Wenn er etwas sagen muss, sagt er es. Aber ansonsten lässt er dich arbeiten.“
Verletzung vor Cleveland und der Blick nach vorn
In der US-Supercross-Saison musste Nichols zuletzt Cleveland auslassen. Der Grund sei eine ungewohnte Nervenproblematik gewesen, deren Ursprung noch nicht ganz klar war. Einen großen Crash habe es nicht gegeben. „Ich bin einfach aufgewacht und plötzlich war es da. Vielleicht passiert das, wenn man über 30 ist“, sagt er mit einem Lachen.
Trotzdem will Nichols die letzten Rennen der Supercross-Saison nutzen, um weiter an Speed und Komfort zu arbeiten.
WSX 2026: Titelchance? Nichols glaubt daran
Für die World-Supercross-Saison 2026 sieht Nichols sich nicht nur als Teilnehmer, sondern als ernsthaften Kandidaten.
„Ich glaube absolut, dass ich die Fähigkeit habe, das zu schaffen“, sagt er. „Ich muss nur sicherstellen, dass ich mental am richtigen Ort bin und wirklich daran glaube, dass ich Champion werden kann.“
Sein Ziel ist klar: mehr Podestplätze, der erste WSX-Sieg – und im besten Fall der Kampf um den Titel.
Auf den Kalender freut er sich besonders. Südafrika möchte er unbedingt wieder erleben, Buenos Aires reizt ihn ebenfalls. „Ich möchte früher anreisen, die Städte sehen, die Kultur erleben. Wenn das Team nicht früher kommt, reise ich eben alleine an.“
Der Begriff für den WSX-Gate-Drop 2026? Nichols muss nicht lange überlegen: „Intense.“
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