Billy Bolt machte in Riesa keine Gefangenen
Billy Bolt hält auch nach der zweiten SuperEnduro Runde in Riesa das begehrte Red Plate in der Hand. / Foto: Future7Media
Wenn es einen Ort gibt, an dem Billy Bolt selten halbe Sachen macht, dann ist es Riesa. Bei der zweiten Runde der FIM SuperEnduro World Championship lieferte der Brite in der WT Energiesysteme Arena einen dieser Abende ab, an denen einfach alles zusammenpasst: SuperPole gewonnen, alle drei Finals gewonnen, maximale Punkte – mehr geht nicht.
Dabei begann der Tag für Bolt alles andere als perfekt. Die Qualifikation lief nicht optimal, die Abstände waren extrem eng. „Alle waren irgendwie auf demselben Rhythmus unterwegs, alle haben dieselben Linien gefahren“, erklärte er später. „Man musste richtig pushen, um überhaupt irgendwo Zeit zu finden.“ Genau das tat Bolt – und steigerte sich, als es darauf ankam.
Ein erster Lauf, der alles hatte
Das erste Finale wurde direkt zum Highlight. Bolt holte sich den Holeshot, machte sich selbst das Leben aber mit ein paar kleinen Fehlern schwer. Jonny Walker war zur Stelle – und plötzlich war da ein Fight, wie man ihn im SuperEnduro nicht jede Woche sieht. Führungswechsel, enge Linien, kaum Luft zum Atmen.
„Von außen sah das sicher besser aus, als es sich angefühlt hat“, gab Bolt ehrlich zu. „Aber es war auch schön, mal wieder so einen Zweikampf zu haben. Ich habe gemerkt, dass mein Tempo hinter ihm richtig gut war – das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben.“
Am Ende war es ein Fehler von Walker, der das Pendel ausschlagen ließ. Bolt übernahm erneut die Führung und brachte den Lauf kontrolliert nach Hause.
Danach: Kontrolle statt Chaos
Ab Lauf zwei war klar, wer den Takt vorgibt. Trotz Start aus der zweiten Reihe war Bolt sofort vorne dabei, übernahm früh die Spitze und zog das Rennen Runde für Runde auseinander. Kein Risiko, keine unnötigen Manöver – einfach sauber gefahren.
Im dritten Lauf ging es dann nicht nur um den Tagessieg, sondern auch um die WM. „Ich wusste, dass da noch richtig Druck drauf ist“, sagte Bolt. „Aus Meisterschaftssicht macht es einen großen Unterschied, ob man den Vorsprung ausbaut oder verliert.“ Also wieder ein starker Start, wieder früh weg – und diesmal komplett fehlerfrei bis ins Ziel. „Die Starts waren heute richtig gut, darüber war ich echt happy“, bilanzierte er später. Und genau das war der Schlüssel.
Riesa bleibt besonders
Dass dieser perfekte Abend ausgerechnet in Riesa gelang, passte ins Bild. „Riesa enttäuscht einfach nie“, sagte Bolt. „Es ist vielleicht nicht die größte Arena, aber die Energie und Leidenschaft der Fans hier sind etwas ganz Besonderes.“ Man merkte ihm an, dass ihm diese Abende in Deutschland etwas bedeuten – nicht zum ersten Mal.
Mit dem Maximum an Punkten baut Bolt seine Führung in der Weltmeisterschaft weiter aus. Zwei Rennen gefahren, zwei starke Statements gesetzt. Und trotzdem bleibt er ruhig, fast schon nüchtern.
Ein perfekter Abend – ja. Ein weiterer Schritt Richtung Titel – definitiv. Aber eben auch: ein Billy Bolt, der genau weiß, warum Riesa immer wieder ein guter Ort für ihn ist. Weiter geht’s in Bilbao. Und nach diesem Auftritt dürfte klar sein, wer dort der Gejagte ist.
