Beta drückt bewusst auf Reset: Das Ende der Supercross Saison

Beta zieht sich von der AmA Supercross Meisterschaft zurück

Beta zieht sich von der AmA Supercross Meisterschaft zurück. / Foto: Beta USA

Zwei Runden, zwei verletzte Fahrer – und plötzlich stand alles still. Für Liqui Moly Beta Factory Racing war der Supercross-Winter 2026 schneller vorbei, als es irgendjemand geplant hatte. Doch statt hektisch nach einem Lückenfüller zu greifen, trifft das Team eine Entscheidung mit klarer Haltung: kein Fill-In Ride. Punkt.

Wenn Verletzungen den Boden entziehen

Der Start in die Saison lief aus Betas Sicht maximal unglücklich. Benny Bloss erwischte es schon am Pressetag in Anaheim, Diagnose: Handgelenksbruch. Eine Woche später dann der nächste Tiefschlag. Mitchell Oldenburg stürzte im Qualifying von San Diego schwer, zog sich eine Gehirnerschütterung sowie Brüche an Elle und Speiche zu und musste operiert werden. Zwei Stammfahrer, beide raus – und damit fehlte dem Supercross-Projekt plötzlich das Fundament.

Warum Beta bewusst auf einen Ersatz verzichtet

In dieser Situation hätten viele Teams zum Telefon gegriffen und einen Fill-In-Ride organisiert. Einfach, um weiter präsent zu sein. Beta entschied sich bewusst dagegen. Ein kurzfristiger eingekaufter Fahrer In hätte weder sportlich noch technisch echten Mehrwert gebracht. Keine Eingewöhnung, kein Entwicklungsgewinn, dafür zusätzliches Risiko. Statt Ergebnisse irgendwie zu verwalten, zog das Team lieber einen klaren Schlussstrich.

Neuausrichtung statt Notlösung

Der Fokus wandert jetzt komplett nach draußen. Statt vereinzelter geplanter Einsätze wird Beta erstmals die komplette AMA Pro Motocross Championship mit allen elf Runden bestreiten – dazu kommen die drei SMX-Events. Das bedeutet: Zeit für vollständige Genesung, strukturierte Testarbeit und echte Weiterentwicklung der Beta 450 RX. Kein Flickwerk, sondern Aufbauarbeit.

Teammanager Carlen Gardner formulierte es sinngemäß sehr treffend: Niemand sollte zu früh zurück auf die Strecke gedrängt werden – weder Fahrer noch Technik. Die Entscheidung sei schwer gefallen, aber sie sei richtig.

Ein Rückzug, der Haltung zeigt

Der Abschied vom Supercross wirkt nach außen vielleicht wie ein Rückschritt. Tatsächlich ist es das Gegenteil. Beta zeigt, dass es nicht um bloße Sichtbarkeit geht, sondern um Substanz. Kein Fill-In Ride heißt auch: kein Aktionismus, kein Panikmodus.

Am 30. Mai in Pala beginnt das nächste Kapitel. Dann nicht irgendwie – sondern vorbereitet. Und manchmal ist genau das der mutigste Move im Rennsport: bewusst nicht am Start zu stehen.