Anaheim 2 – 250SX West: Konstanz schlägt Chaos
Das Rennen der 250SX Western Disivison bot spannende Details
Anaheim 2 fühlte sich im 250er-Main Event zunächst genau so an, wie Supercross sich oft anfühlt: eng, hektisch, jederzeit kippbar. Doch wer tiefer in die Zahlen eintaucht, merkt schnell: Dieses Rennen war weniger wild, als es wirkte. Es war strukturiert. Und vor allem war es kontrolliert.
Im Zentrum stand einmal mehr Haiden Deegan. Der Sieg war deutlich, aber nicht dominant im klassischen Sinne. Kein Wegfahren, kein frühes Absetzen. Stattdessen ein Rennen, das über Wiederholbarkeit und Konstanz entschieden wurde.
Schnell sind viele – konstant nur wenige
Deegan fuhr im Main Event die schnellste Rennrunde mit 1:02.367 Minuten. Das ist stark, aber allein nichts Ungewöhnliches. Der eigentliche Unterschied lag woanders: Sein Rennschnitt von 1:03.798 Minuten und ein Konsistenzwert von über 98 Prozent zeigen, wie wenig seine Pace schwankte.
Während andere Fahrer im letzten Renndrittel sichtbar abbauten, blieb Deegan in seinem Zeitfenster. Runde für Runde. Fehlerfrei. Kein Einbruch, kein Überziehen. Genau das machte am Ende den Unterschied.
Mosiman hatte die Pace – Deegan hatte die Kontrolle
Auf dem Papier hätte dieses Rennen auch anders ausgehen können. Michael Mosiman war nah dran. Sehr nah. Seine zweitbeste Rennrunde (1:02.536) und seine Top-5-Durchschnittszeiten zeigen: Die Geschwindigkeit war da.
Was fehlte, war nicht Speed, sondern Handlungsspielraum. Verkehr, Überholsituationen und kleine Verzögerungen kosteten Zeit – nicht in einzelnen Sekunden, sondern verteilt über viele Runden. Deegan hingegen vermied genau das. Er zwang niemanden zu Fehlern, sondern wartete, bis sie von selbst kamen.
Sektorzeiten erzählen die wahre Geschichte
Ein Blick auf die Sektorzeiten macht deutlich, warum sich Deegans Sieg nie wackelig anfühlte. Er war nicht nur in einem Abschnitt der Strecke stark – er war überall vorne. Sektor 1, Sektor 2, Sektor 3: immer wieder taucht sein Name ganz oben auf.
Andere Fahrer glänzten punktuell. Dilan Schwartz oder Carson Mumford setzten einzelne Bestzeiten, doch keiner verband diese Abschnitte zu einer durchgängigen Runde. Genau darin lag Deegans Vorteil: kein Highlight-Racing, sondern Komplettpaket.
Warum der rohe Speed allein nicht reicht
Ein gutes Beispiel dafür liefert Max Anstie. Seine drittschnellste Rennrunde (1:03.109) hätte locker für ein Top-5-Ergebnis gereicht. Doch ein einzelner massiver Ausreißer – über zehn Sekunden langsamer als sein Schnitt – zog die gesamte Rennbilanz nach unten.
Supercross verzeiht keine Ausreißer. Ein Fehler, eine blockierte Linie, verlorener Rhythmus – und aus einem guten Rennen wird ein solides, aber unscheinbares Ergebnis.
Konsistenz als heimlicher Erfolgsfaktor
Die auffälligsten Konsistenzwerte des Abends kamen von Fahrern, die am Ende auch vorne standen: Ryder DiFrancesco (P3), Cameron McAdoo (P4) und Deegan (P1) selbst lagen alle jenseits der 98-Prozent-Marke. Das ist kein Zufall. In einem 15-Minuten-Main Event entscheidet nicht die schnellste Runde, sondern die schlechteste. Wer sie vermeiden kann, fährt automatisch nach vorne.
Heats sind ein Versprechen – das Main ist die Wahrheit
Die beiden Heat-Rennen bestätigten dieses Muster. Während Chance Hymas mit purem Speed glänzte, war das Main bereits nach wenigen Metern beendet. Deegan hingegen gewann nicht nur seinen Heat, sondern übersetzte diese Leistung direkt ins Hauptrennen. Heat-Siege zeigen Potenzial. Main Events zeigen Reife. Anaheim 2 war dafür ein Lehrbeispiel.
Ein kontrollierter Sieg
Dieses Rennen wurde nicht durch einen spektakulären Moment entschieden, sondern durch viele unspektakuläre Runden. Haiden Deegan gewann Anaheim 2 nicht, weil er überall der Schnellste war – sondern weil er nirgendwo schwach war. Supercross bleibt unberechenbar. Aber Anaheim 2 zeigte, dass Siege selten zufällig entstehen. Sie entstehen aus Kontrolle, Konstanz und der Fähigkeit, ein Rennen zu lesen. Und genau das machte hier den Unterschied.
