Alles neu – Anspruch bleibt: Jeffrey Herlings über seinen Neustart bei Honda

Jeffrey Herlings sprach mit NPO über seinen Wechsel zu Honda

Jeffrey Herlings sprach mit NPO über seinen Wechsel zu Honda. / Foto: Bavo Swijgers

Man merkt Jeffrey Herlings an, dass dieser Wechsel kein gewöhnlicher ist. Nach 17 Jahren bei KTM sitzt der Niederländer plötzlich auf einer Honda – und spricht darüber nicht in Schlagworten, sondern mit spürbarem Respekt vor dem, was vor ihm liegt. Im Gespräch mit NPO 1, dem wichtigsten und ältesten öffentlich-rechtlichen Fernsehsender der Niederlande, nimmt sich Herlings Zeit, um zu erklären, warum dieser Schritt für ihn mehr ist als nur ein neuer Vertrag.

Im Gespräch mit NPO 1, dem wichtigsten und ältesten öffentlich-rechtlichen Fernsehsender der Niederlande, sprach Herlings ungewohnt offen über die Umstellung. Und die betrifft nicht nur das Motorrad. „Alles ist anders“, sagt er. Team, Arbeitsweise, Kleidung, Sponsoren – vor allem aber das Bike selbst und die Menschen, mit denen er jetzt arbeitet.

Ein neues Bike ist wie eine neue Beziehung

Herlings beschreibt den Einstieg bei Honda nicht technisch, sondern menschlich. Das Motorrad müsse ein Freund werden. „Es ist wie eine Beziehung“, erklärt er. Fahrer und Bike müssten sich aufeinander einstellen, Kompromisse eingehen, sich gegenseitig formen. Nach fast zwei Jahrzehnten auf demselben Konzept ist das kein Selbstläufer.

Über 15 Jahre, ein Hersteller – ein Ausnahmefall

So lange bei einer Marke zu bleiben, ist im modernen Motocross praktisch einmalig. Herlings weiß das selbst. Entsprechend groß war das Echo, als sein Abschied von KTM öffentlich wurde. Er stellt klar: Es war kein Bruch. „Ich hatte es dort gut“, sagt er. Aber es sei viel passiert – sportlich wie strukturell. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem man etwas Neues will. Ob sein Wechsel im direkten Zusammenhang mit der finanziellen Schieflage und strukturellen Veränderungen bei KTM selbst zusammenhing bleibt offen.

Honda als Ziel, nicht als Zufall

Warum also Honda? Jeffrey Herlings findet dafür ein Bild, das hängen bleibt: „Honda ist für mich die Ferrari-Version der MXGP.“ Ein Hersteller mit Geschichte, mit Titeln, mit einer Aura, bei der man als Topfahrer irgendwann angekommen sein will. Nicht, weil es einfacher ist – sondern weil es eine Herausforderung darstellt.

Technisch fühlt sich der Wechsel für ihn radikal an. Vor allem das Aluminium-Chassis ist Neuland. „Es war, als würde ich von der Erde auf einen anderen Planeten wechseln“, sagt er. Nach 17 Jahren auf einem anderen Grundkonzept ist das keine Kleinigkeit.

Zeit ist ein Faktor

Viel Geduld will sich Herlings trotzdem nicht erlauben. Mit 31 weiß er genau, wo er steht. Zwei, vielleicht drei echte Chancen auf einen weiteren WM-Titel sieht er noch. „Vier wäre sehr optimistisch“, sagt er trocken. Bedeutet: Die Eingewöhnung darf dauern – aber nicht lange – dennoch macht er Hoffnung „The Bullet“ noch länger in der Motocross-Weltmeisterschaft zu haben.

Nach all dem, was er in den letzten Jahren erlebt hat, fühlt sich Herlings aktuell gut. Fit. Belastbar. Jetzt gehe es darum, die Linie zu halten: sauber testen, gesund bleiben, keine unnötigen Risiken. Die Vorbereitung läuft, der Fokus ist klar.

Der Anspruch hat sich nicht geändert

Und dann ist da noch die Frage, die immer kommt. Weltmeister – geht das noch? Herlings zögert keine Sekunde. Die letzten fünf Rennen der vergangenen Saison sieht er als Beleg. Drei Siege, zwei zweite Plätze. „Das zeigt mir, dass ich es noch kann.“ Ob es am Ende Platz eins, zwei oder drei wird? „Damit wäre ich zufrieden“, sagt er. Aber der Titel – das ist und bleibt das eigentliche Ziel.

Alles ist neu bei Jeffrey Herlings. Das Umfeld, das Bike, der Alltag. Nur eines nicht: der Anspruch.