Warum Jeremy Seewer und Shoei getrennte Wege gehen

Jeremy Seewer zeigt seine Shoei Heme der letzten Jahre

Jeremy Seewer zeigt seine Shoei Heme der letzten Jahre. / Foto: Privat

Jeremy Seewer und Shoei – das war über Jahre mehr als nur ein Ausrüstervertrag. Es war eine dieser Partnerschaften, die man im Fahrerlager kaum hinterfragt hat. Seit seinem MX2-Debüt beim Grand Prix von Belgien 2012 in Bastogne trug der Schweizer Shoei-Helme. Anfangs über den nationalen Importeur, später direkt unterstützt vom japanischen Hersteller. Über Suzuki, Yamaha, Kawasaki bis hin zu Ducati Factory Racing: Shoei war immer dabei.

Umso bemerkenswerter ist es, dass diese lange Geschichte nun offenbar endet.

Ein Abschied mit Symbolkraft

Auf seinem Instagram-Profil veröffentlichte Jeremy Seewer zuletzt eine Bilderserie, die kaum emotionaler hätte sein können. Vom ersten Helm seines Grand-Prix-Debüts bis zu einem Exemplar aus der gerade beendeten Saison. Dazwischen mehr als ein Jahrzehnt WM-Geschichte, Podien, Titelkämpfe und Herstellerwechsel. Dazu ein offenes Dankeschön an Shoei für die jahrelange Unterstützung.

Die neue FIM-Helmnorm als Knackpunkt

Ab 2026 schreibt die FIM bei ihren sanktionierten Offroad-Wettbewerben verpflichtend die Helmnorm FRHPhe-02 vor. Eine Homologation, die höhere Anforderungen an Schutz, Testverfahren und Dokumentation stellt. Schon 2025 wurde diese Norm dringend empfohlen, ab 2026 ist sie Pflicht.

Genau hier scheint das Problem zu liegen: Shoei hat sich offenbar entschieden, seinen VFX-WR – einen Helm, der im Motocross fast schon Legendenstatus genießt – nicht nach der FIM Helmnorm FRHPhe-02 prüfen zu lassen. Der Grund soll pragmatisch sein: Der VFX-W wird kaum noch von Fahrern eingesetzt, die regelmäßig an FIM-sanktionierten Veranstaltungen teilnehmen. Der Aufwand einer neuen Homologation steht für Shoei offenbar in keinem wirtschaftlich sinnvollen Verhältnis mehr.

Wenn Regularien Karrieren beeinflussen

Ein Fahrer auf WM-Niveau kann – und darf – es sich schlicht nicht leisten, ohne regelkonforme Schutzausrüstung an den Start zu gehen. Unabhängig von Loyalität oder Historie. Nach Informationen steht der neue Helmpartner des Schweizer für die Saison 2026 noch nicht fest. Was wir aber sagen können, ist, dass der 31-Jährige bereits den zugelassenen Bell MOTO 10-GP getestet hat. Bell gehört aktuell zu den lediglich zehn Herstellern weltweit, die Helme nach der neuen FRHPhe-02-Norm anbieten.

So steht Jeremy Seewer vor einem Wechsel, der weniger aus Überzeugung für eine neue Marke entsteht, sondern aus der Notwendigkeit, regelkonform zu bleiben.

Ein stiller Abschied mit klarer Botschaft

Der Fall Seewer zeigt, wie stark technische Regularien inzwischen in sportliche Entscheidungen eingreifen. Selbst langjährige Partnerschaften sind nicht mehr automatisch sicher, wenn Normen und Vorschriften sich ändern. Für Shoei bedeutet das nicht zwangsläufig einen Imageverlust – der VFX-WR bleibt ein ikonischer Helm. Für Fahrer wie Seewer aber ist klar: Sicherheit, Zulassung und Reglement stehen am Ende über jeder Emotion.

Dass Seewer den Abschied öffentlich so respektvoll und dankbar gestaltet, unterstreicht nur, wie eng diese Verbindung war. Manchmal enden selbst die besten Geschichten nicht aus freien Stücken – sondern weil sich der Sport weiterdreht.

Und genau das scheint hier der Fall zu sein.