Tim Gajser über Yamaha, Rituale und Niederlagen
Tim Gajser spricht über Yamaha, Rituale und Niederlagen. / Foto: Yamaha
Der Auftakt der FIM Motocross World Championship im Rahmen des MXGP of Argentina markierte für Tim Gajser ein neues Kapitel. Nach vielen Jahren auf Honda ging der Slowene erstmals für Monster Energy Yamaha Factory Racing an den Start.
Im Gespräch mit Gea Gaži Pavičić für GP1 TV – ausgestrahlt in der ersten Ausgabe der MX Magazin Show zur Saison 2026 – sprach der fünffache Weltmeister über seinen Wechsel auf Yamaha, seine persönlichen Rennrituale und darüber, warum Niederlagen oft mehr lehren als Siege.
Ein Moment der Konzentration vor dem Start
Wer Tim Gajser nur auf der Strecke sieht, erlebt einen kompromisslosen Racer. Doch hinter dem Helm steckt auch ein Fahrer mit ganz eigenen Routinen – manche davon wirken auf Außenstehende fast ungewöhnlich.
Eine davon: Er spricht mit seinem Motorrad.
„Ja, das stimmt tatsächlich“, erzählt Gajser offen. „Wenn ich am Freitag an die Strecke komme, setze ich mich oft auf das Bike und behandle es fast wie ein lebendes Wesen.“
Vor dem Start nehme er sich außerdem bewusst ein paar Minuten Zeit nur für sich selbst. Dabei setze er sich auf das Motorrad, lege den Kopf kurz auf den Lenker und versuche, sich vollständig zu fokussieren. Dieser Moment der Ruhe helfe ihm dabei, sich mental auf das Rennen einzustellen und die äußeren Einflüsse auszublenden.
Ein neuer Abschnitt auf Yamaha
Der Saisonstart in Argentinien war für Gajser auch deshalb besonders, weil er erstmals auf einer Yamaha bei einem Grand Prix antrat. Im Gespräch erklärte der Slowene, dass sich das Gefühl auf dem Motorrad zunächst natürlich anders angefühlt habe als auf seinen bisherigen Maschinen. Dennoch habe er sich sehr schnell an das neue Bike gewöhnt.
Besonders die Sitzposition und die Ergonomie des Motorrads hätten ihm von Anfang an ein gutes Gefühl vermittelt. Gleichzeitig betonte Gajser, dass die Zusammenarbeit mit dem Team und die Entwicklung des Setups noch relativ frisch seien. „Wir haben noch viel Arbeit vor uns und ich glaube, dass noch viel Potenzial im Paket steckt“, so der Slowene.
Er fahre das Motorrad erst seit wenigen Monaten intensiv, weshalb er überzeugt sei, dass noch weiteres Potenzial im Gesamtpaket stecke.
Erinnerungen aus der Kindheit
Im Verlauf des Interviews wurde es auch persönlicher. Gajser erinnerte sich dabei unter anderem an eine kuriose Episode aus seiner Jugend.
Als Kind habe er einmal an einem nächtlichen Schwimmwettbewerb teilgenommen, bei dem ein Schinken als Hauptpreis ausgelobt war. Der Wettbewerb habe deutlich schwieriger ausgesehen, als er zunächst erwartet hatte. Am Ende habe er den Preis zwar nicht gewonnen, die Erinnerung daran sei ihm aber bis heute geblieben.
Lernen aus Rückschlägen
Ein weiteres Thema des Gesprächs war der Umgang mit Niederlagen. Trotz seiner großen Erfolgsbilanz betonte Gajser, dass gerade schwierige Rennen oder verpasste Chancen oft besonders lehrreich seien. „Natürlich will jeder gewinnen“, sagt er. „Aber aus Niederlagen lernst du oft mehr als aus Siegen.“
So würden Niederlagen einen dazu zwingen, Fehler zu analysieren und sich weiterzuentwickeln.
Ein Kindheitstraum wird Realität
Der Wunsch, Motocross-Weltmeister zu werden, habe ihn bereits als Kind begleitet. Gajser erinnerte sich daran, dass er schon in jungen Jahren in einem Schulinterview angegeben habe, später einmal Weltmeister im Motocross werden zu wollen.
Heute kann der Slowene auf fünf Weltmeistertitel zurückblicken und gehört mittlerweile zu den erfahrensten Fahrern im Grand-Prix-Paddock. Gleichzeitig nehme er wahr, dass inzwischen immer mehr junge Fahrer in die MXGP-Klasse nachrücken.
Instinkt, harte Arbeit – und ein Leben im Fahrerlager
Im schnellen Frage-Antwort-Teil des Interviews gab Gajser zudem einige Einblicke in seine persönliche Herangehensweise an den Sport. So erklärte er, dass Motocross für ihn in vielen Situationen stark vom Instinkt geprägt sei. Entscheidungen auf der Strecke müssten häufig in Sekundenbruchteilen getroffen werden.
Auch beim Thema Training zeigte sich der Slowene pragmatisch. Zwischen Laufen und Training im Fitnessstudio tendiere er eher zum Krafttraining im Gym – auch wenn letztlich beide Bereiche zum Alltag eines modernen Motocrossfahrers gehören.
Eine klare Präferenz hat Gajser auch im Paddock: Wenn er wählen kann, bevorzugt er das Leben im Camper statt eines Hotelaufenthalts während eines Rennwochenendes.
Besonders deutlich fiel seine Antwort bei der klassischen Frage nach Talent oder harter Arbeit aus. Zwar sei beides notwendig, um auf höchstem Niveau erfolgreich zu sein, doch letztlich sehe er harte Arbeit als den entscheidenden Faktor. Weltmeister hätten oft einen kleinen zusätzlichen Anteil Talent – doch ohne konsequentes Training lasse sich dieser Vorteil nicht nutzen.
Ein Rat an die nächste Generation
Zum Abschluss des Interviews richtete Tim Gajser noch eine Botschaft an junge Fahrer, die davon träumen, einmal selbst Motocross-Weltmeister zu werden.
„Träumt groß – aber arbeitet hart dafür.“ Aus seiner Sicht sei es wichtig, große Ziele zu haben – gleichzeitig müsse man bereit sein, hart für diese Ziele zu arbeiten. Der Weg zum Erfolg sei selten einfach und beinhalte auch schwierige Tage. Entscheidend sei jedoch, trotz Rückschlägen weiterzumachen und konsequent an seinen Zielen zu arbeiten.
