MXGP-Strecke Samota: Aus Korruptionsfall wird Geldwäsche-Ermittlung

Jeffrey Herlings beim letzten MXGP in Samota im Jahr 2024

Jeffrey Herlings beim letzten MXGP in Samota im Jahr 2024. / Foto: Ray Archer

Was als internationales Prestigeprojekt für Indonesien gedacht war, zieht immer größere Kreise – und immer tiefere Schatten. Rund um den Bau der MXGP-Strecke in Samota auf Sumbawa haben die Ermittlungsbehörden die nächste Eskalationsstufe erreicht. Neben dem laufenden Korruptionsverfahren wird nun offiziell wegen mutmaßlicher Geldwäsche ermittelt.

Die Staatsanwaltschaft der Provinz West-Nusa-Tenggara arbeitet dabei erstmals eng mit der PPATK, der indonesischen Finanzaufsicht zur Analyse verdächtiger Geldströme, zusammen. Der Verdacht: Die Zahlungsflüsse rund um den umstrittenen Landkauf könnten gezielt verschleiert oder umgeleitet worden sein.

Vom Landkauf zur Finanzspur

Im Kern geht es um den Erwerb eines 70 Hektar großen Grundstücks, das für den Bau des MXGP-Kurses genutzt wurde. Die Regionalregierung zahlte dafür rund 52 Milliarden Rupien, umgerechnet etwa 3,05 Millionen Euro. Auffällig ist jedoch, dass eine frühere Bewertung den Grundstückswert deutlich niedriger angesetzt hatte – bei rund 44,8 Milliarden Rupien (ca. 2,64 Millionen Euro).

Die Differenz gilt als möglicher Schaden für den Staat und bildet die Grundlage der Korruptionsermittlungen. Ein rechtskräftiges Gerichtsurteil wies konkurrierende Eigentumsansprüche klar zurück. Trotzdem überwies die Regionalregierung den höheren Kaufpreis – ein Schritt, der bis heute unbeantwortete Fragen hinterlässt.

Zwei Beschuldigte, viele offene Punkte

Im Fokus der Ermittler stehen unter anderem Subhan, heute Leiter der Bodenbehörde BPN in Zentral-Lombok, sowie Muhammad Julkarnaen, ein Gutachter aus dem Umfeld eines öffentlichen Bewertungssachverständigen. Beide sollen bei der Abwicklung und Bewertung des Landkaufs eine Schlüsselrolle gespielt haben.

Parallel dazu wurde bekannt, dass Moch. Ali Bin Dachlan, ehemaliger Regent von Ost-Lombok und Eigentümer des Grundstücks, 6,7 Milliarden Rupien an den Staat zurückgezahlt hat – rund 390.000 Euro. Die Staatsanwaltschaft wertet diese Zahlung als Rückführung eines Teils des Schadens, macht aber klar: Das beendet die Ermittlungen nicht.

Geldwäsche-Verdacht als Wendepunkt

Der entscheidende neue Aspekt ist der TPPU-Verdacht, also Geldwäsche. Laut Staatsanwaltschaft ergaben sich im Verlauf der Korruptionsermittlungen Hinweise darauf, dass finanzielle Vorteile möglicherweise weitergeleitet oder verschleiert wurden. Genau hier setzt nun die PPATK an: Wer hat wann welches Geld erhalten – und wohin ist es geflossen?

Rechtlich stützt sich das Verfahren auf die neuen Korruptions- und Wirtschaftsdelikte im indonesischen Strafrecht, die seit 2023 gelten. Für die Beschuldigten erhöht sich damit nicht nur die Komplexität, sondern auch die Tragweite des Falls erheblich.

Ein Motorsportprojekt mit politischer Sprengkraft

Der MXGP-Kurs von Samota sollte Indonesiens Platz im internationalen Motorsport festigen. Stattdessen entwickelt sich das Projekt zu einem Lehrbeispiel für die Risiken großer Infrastrukturvorhaben, wenn politische Entscheidungen, Gutachten und öffentliche Gelder aufeinandertreffen.

Noch ist offen, wie weit die Ermittlungen reichen werden und ob weitere Namen ins Spiel kommen. Klar ist jedoch: Der Fall Samota ist längst mehr als ein lokaler Korruptionsskandal – er ist ein Systemtest für Transparenz, Kontrolle und Verantwortlichkeit. Und genau deshalb wird er weit über den Motorsport hinaus aufmerksam verfolgt.