Muss Oranje sein MXoN-Team noch einmal umbauen?
Kay de Wolf steht aktuell noch in der Auswahl des neiderländischen MXoN Teams
Die Niederlande haben ihr Aufgebot für das Motocross of Nations in Ernée gerade erst vorgestellt. Nun sorgen unbestätigte Informationen über eine mögliche Verletzung von Kay de Wolf für neue Diskussionen. Sollte der Husqvarna-Pilot ausfallen, müsste Teammanager Barry Forschelen nicht nur einen Fahrer ersetzen. Auch die Verteilung auf MXGP, MX2 und Open könnte wieder auf den Tisch kommen.
Muss das niederländische MXoN-Team kurz nach seiner Bekanntgabe bereits wieder umgestellt werden?
Offiziell besteht das Aufgebot aus Kay de Wolf in der MXGP, Roan van de Moosdijk auf der 250er und Jeffrey Herlings in der Open-Klasse. Eine starke Besetzung, bei der allerdings schon die ursprüngliche Auswahl für Gesprächsstoff sorgte.
Nun machen Informationen über eine mögliche Verletzung von de Wolf die Runde. Was genau passiert sein soll und wie schwer es ihn erwischt haben könnte, ist bislang nicht bestätigt. Weder sein Team noch der niederländische Verband haben einen Ausfall für das MXoN bekannt gegeben.
Mehr als ein Fragezeichen ist es deshalb momentan nicht.
Ganz ignorieren lässt sich die Situation trotzdem nicht. De Wolf ist für TeamNL nicht irgendein dritter Fahrer. Er gewann beim MXoN 2024 und 2025 jeweils die Einzelwertung der MX2-Klasse und hat sich in seiner ersten MXGP-Saison schnell auf der 450er zurechtgefunden. Beim Heim-GP in Arnhem war er zuletzt der einzige Fahrer, der Jeffrey Herlings über weite Strecken folgen konnte. Mit 2-2 wurde er Zweiter der Gesamtwertung.
Genau diese Leistung dürfte ein wichtiger Grund gewesen sein, ihn für Ernée auf der 450er einzuplanen.
Coldenhoff wäre die einfache Lösung
Sollte de Wolf tatsächlich ausfallen, wäre Glenn Coldenhoff der naheliegendste Ersatz. Er könnte den MXGP-Platz übernehmen, während van de Moosdijk in der MX2 und Herlings in der Open-Klasse bleiben.
Am bisherigen Aufbau müsste nichts verändert werden.
Auch sportlich ließe sich Coldenhoff kaum als Notlösung bezeichnen. Der 35-Jährige bringt reichlich MXoN-Erfahrung mit und gehörte 2019 in Assen zum niederländischen Siegerteam. Ausgerechnet dort gewann er beide Rennen seiner Klasse. In Arnhem zeigte er zuletzt mit den Plätzen sieben und vier außerdem, dass noch immer mit ihm zu rechnen ist.
Jeffrey Herlings hätte Coldenhoff ohnehin gern im Team gesehen. Sein ursprünglicher Vorschlag sah allerdings anders aus: Herlings und de Wolf sollten auf den beiden 450ern antreten, Coldenhoff auf einer Werks-Yamaha die MX2 übernehmen.
Ob Coldenhoff tatsächlich noch einmal auf eine 250er gestiegen wäre, blieb offen. Sollte nun der Platz von de Wolf frei werden, müsste man darüber gar nicht mehr diskutieren. Coldenhoff könnte auf der 450er bleiben und genau das Motorrad fahren, das er gewohnt ist.
Für TeamNL wäre das die Lösung mit den wenigsten Umbauten.
Karssemakers bringt die aktuelle MX2-Routine mit
Mit Kay Karssemakers käme ein anderer Ansatz infrage. Er fährt die komplette Saison auf einer 250er und kennt das aktuelle Tempo der MX2-WM. Bei der ursprünglichen Auswahl ging er trotzdem leer aus, weil Forschelen den MX2-Platz an van de Moosdijk vergab.
Diese Entscheidung war diskutierbar. Van de Moosdijk bestreitet seine Saison auf der 450er und muss sich für Ernée wieder an das kleinere Bike gewöhnen. Karssemakers sitzt dagegen Woche für Woche auf einer 250er. Wenn seine Rennen ohne Probleme verliefen, konnte er sich mehrfach in den Top 10 der MX2-WM zeigen.
Sein Nachteil liegt in der fehlenden Konstanz. Einige Ausfälle kosteten ihn Punkte und ließen seine WM-Saison schwächer aussehen, als es sein Tempo teilweise vermuten lässt. Beim MXoN reicht ein schneller Lauf allein nicht. Am Ende braucht das Team möglichst zwei Ergebnisse, mit denen gerechnet werden kann.
Fällt de Wolf aus und rückt Karssemakers nach, wäre zudem eine größere Umstellung nötig. Van de Moosdijk könnte zurück auf die 450er wechseln und die MXGP-Klasse übernehmen. Herlings bliebe in der Open, während Karssemakers seinen gewohnten Platz auf der 250er bekäme.
Eigentlich würde damit jeder das Motorrad fahren, auf dem er 2026 die meiste Rennpraxis gesammelt hat. Aus dieser Sicht hätte die Variante durchaus etwas für sich.
Gyan Doensen hat sich in Vellahn empfohlen
Auch Gyan Doensen rückt wieder in den Blick. Der junge Niederländer bestreitet in diesem Jahr die EMX250 und kennt das 250er-Bike deshalb ebenfalls aus dem aktuellen Rennbetrieb.
Beim ADAC MX Masters in Vellahn lieferte er wenige Tage vor der Bekanntgabe des niederländischen Teams ein starkes Wochenende ab. Mit 2-1-1 gewann er die Tageswertung im ADAC MX Youngster Cup. Der ADAC führte Doensen nach drei Läufen als Gesamtsieger vor dem vorzeitig gekrönten Champion Nicolai Skovbjerg.
Natürlich ist ein Sieg im Youngster Cup noch kein Beweis dafür, dass ein Fahrer beim MXoN zwischen den schnellsten 250er- und 450er-Piloten der Welt bestehen kann. Doensen zeigte in Vellahn aber Tempo und blieb auch dann ruhig, als es um den Tagessieg ging.
Seine Nominierung wäre die mutigste der möglichen Varianten. Herlings und van de Moosdijk würden die beiden 450er-Plätze übernehmen, Doensen die MX2. Damit würde Oranje auf einen jungen Fahrer setzen, der unbelastet antreten könnte, aber noch keine Erfahrung bei einem Motocross of Nations besitzt.
Für die Zukunft wäre das interessant. Wenn TeamNL in Ernée um das Podium oder sogar um den Sieg fahren möchte, dürfte Erfahrung allerdings stärker gewichtet werden.
Drei Kandidaten, zwei mögliche Wege
Im Grunde muss Forschelen zwischen zwei Wegen wählen, falls de Wolf nicht starten kann.
Mit Coldenhoff könnte er den freien MXGP-Platz direkt besetzen. Van de Moosdijk bliebe auf der 250er, obwohl er 2026 hauptsächlich 450er gefahren ist. Dafür bekäme das Team einen erfahrenen MXoN-Piloten, der bereits weiß, wie man diese Veranstaltung gewinnt.
Mit Karssemakers oder Doensen würde die ursprüngliche Klassenverteilung verändert. Van de Moosdijk ginge zurück auf die 450er, während ein aktueller 250er-Fahrer den MX2-Platz übernimmt. Karssemakers hätte dabei die größere WM-Erfahrung, Doensen kommt mit dem Rückenwind seines Sieges in Vellahn.
Sportlich spricht einiges für Coldenhoff. Er ist der stärkste und erfahrenste verfügbare Fahrer dieser Gruppe, und Herlings wollte ihn bereits vor der offiziellen Bekanntgabe im Team haben. Dass es bei seinem damaligen Vorschlag sogar um einen Einsatz auf der 250er ging, zeigt, wie hoch er Coldenhoffs Wert für die Mannschaft einschätzt.
Noch gibt es allerdings keinen freien Platz.
Solange die mögliche Verletzung von Kay de Wolf nicht bestätigt ist, bleiben Coldenhoff, Karssemakers und Doensen lediglich Kandidaten für einen Fall, der vielleicht gar nicht eintritt. Sollte de Wolf tatsächlich ausfallen, hätte Oranje mehrere brauchbare Möglichkeiten.
Seine Geschwindigkeit und seine beiden MXoN-Klassensiege lassen sich trotzdem nicht einfach ersetzen.
