Mantova lieferte einen Vorgeschmack: Herlings vs. Gajser

Das Duell zwischen Jeffrey Herlings (#84) und Tim Gajser (#243) wurde uns in Mantova noch verwehrt

Das Duell zwischen Jeffrey Herlings (#84) und Tim Gajser (#243) wurde uns in Mantova noch verwehrt. / Foto: Offroadproracing

Die Internazionali d’Italia EICMA Series 2026 sind Geschichte – doch Mantova hat etwas Entscheidendes geliefert: einen echten Vorgeschmack auf das, was uns in der MXGP erwartet. Auf dem traditionsreichen Tazio Nuvolari Circuit zeichnete sich erstmals klar ab, worauf die Saison hinauslaufen könnte: Tim Gajser gegen Jeffrey Herlings. Zwei Superstars, zwei Herangehensweisen – ein gemeinsames Ziel.

Gajser: bereit ab dem ersten Meter

Tim Gajser präsentierte sich, eine Woche nach seinem verhaltenen Start in Alghero, in Mantova in beeindruckender Form. Zwei Läufe, zwei Siege, Gesamtwertung gewonnen. Ohne Drama, ohne Hektik. Der Slowene fuhr mit einer Ruhe, die man sonst eher aus der Saisonmitte kennt. Früher Druck, saubere Linien, kontrollierte Rennführung – Gajser wirkte nicht wie ein Fahrer im Testmodus, sondern wie einer, der bereits mitten in der Meisterschaft angekommen ist.

Diese Einschätzung bestätigte er nach dem Rennen selbst mit einem kurzen, aber klaren Statement: „Feeling better and better!“ Ein Satz, der gut beschreibt, was man in Mantova beobachten konnte: Gajser wirkte nicht nur schnell, sondern zunehmend sattelfest im neuen Paket – und das zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Saison. Er musste nicht ans Limit gehen, um das Feld zu kontrollieren. Ein klares Signal: Yamaha und Gajser funktionieren – und zwar früher als viele erwartet hatten.

Herlings: Tempo vorhanden, Fokus auf Aufbau

Ganz anders, aber mindestens genauso spannend, fiel der Auftritt von Jeffrey Herlings aus. Mantova markierte seinen ersten echten Renneinsatz mit Honda HRC – und der verlief nicht reibungslos. Das bestätigte der Niederländer später selbst mit bemerkenswerter Offenheit.

„Das war nicht das Honda-HRC-Debüt, das ich mir erhofft hatte“, erklärte Herlings. Bereits im ersten Lauf wurde er durch ein unglückliches Detail ausgebremst: „Im ersten Lauf hat sich ein Stein zwischen Ritzel und Kette verklemmt. Es hat fast eine ganze Runde gedauert, bis ich ihn rausbekommen habe.“ Trotzdem kämpfte er sich noch auf Platz 11 ins Ziel – ein klassischer Schadensbegrenzungs-Lauf.

Im zweiten Rennen zeigte sich dann, was möglich ist, wenn alles zusammenpasst. Herlings fuhr freier, setzte gezielte Akzente und beendete den Lauf auf Rang drei. Kein übertriebener Angriff, aber ein klares Zeichen.

„Noch etwas eingerostet“ – Herlings bleibt realistisch

Dass er selbst noch nicht am Ende seiner Vorbereitung angekommen ist, weiß Herlings genau. „Ich muss mir die Rennintensität erst wieder erarbeiten. Im Moment wirke ich noch etwas eingerostet – deshalb sind diese Rennen wichtig.“

Dabei stellte er das Team ausdrücklich in den Vordergrund: „Das Team hat einen großartigen Job gemacht. Es war ein brutaler Tag für das Bike.“ Die Verantwortung für das Gesamtbild nahm er dennoch auf sich: „Meine Leistung war nicht gut, vor allem wenn man bedenkt, wie viel Arbeit wir investiert haben.“

Der Blick geht dennoch klar nach vorn: „Ich freue mich auf das nächste Startgatter in sieben Tagen.“ Hier wird der Niederländer dann beim Hawkstone International am Gatter stehen.

Zwei Philosophien, ein Titelkampf

Mantova zeigte eindrucksvoll, warum dieses Duell so viel Sprengkraft hat. Gajser kommt früh in Topform, bringt Stabilität und Kontrolle. Herlings hingegen baut bewusst auf, sammelt Rennkilometer und lässt noch Luft nach oben – fahrerisch wie strategisch.

Das macht ihn nicht harmlos. Das macht ihn unberechenbar.

Kein Urteil, aber eine klare Ansage

Die Internazionali d’Italia entscheiden keine Weltmeisterschaft. Aber Mantova hat angekündigt, was kommt. Gajser fühlt sich „better and better“, Herlings arbeitet sich Schritt für Schritt heran. Wenn beide ihr jeweiliges Maximum abrufen, wird dieses Duell nicht über einen Start entschieden – sondern über eine ganze Saison.