Lucas Mirtl: Ein Statement, öffentlich – und bewusst platziert

Lucas Mirtl zusammen mit Lucas Coenen.

Lucas Mirtl zusammen mit Lucas Coenen. / Mirtl Instagram

Lucas Mirtl hat sich nicht in ein Hintergrundgespräch geflüchtet. Kein exklusives Interview, kein gefiltertes PR-Statement. Er hat seinen Text direkt auf Instagram veröffentlicht – dort, wo Meinungen entstehen, kippen, eskalieren. Dort, wo Narrative schneller sind als Fakten. Und genau das ist Teil der Botschaft.

Warum Instagram kein Zufall ist

Wer seinen Text liest, merkt schnell: Diese Plattform wurde nicht zufällig gewählt. Instagram ist der Ort, an dem sich in den vergangenen Monaten vieles gegen ihn gerichtet hat – Gerüchte, Kommentare, öffentliche Urteile. Mirtl entscheidet sich bewusst dafür, genau dort zu sprechen, wo sonst über ihn gesprochen wurde. Ohne Kommentarfunktion als Schutzschild. Ohne die Kontrolle darüber, wie es aufgenommen wird.

Der Rechtsstreit als unausgesprochener Kontext

Im Hintergrund steht der laufende Rechtsstreit mit Jett und Hunter Lawrence. Mirtl nennt ihn nicht explizit, aber er durchzieht jede Zeile. Der Bruch, die Pressemitteilung, das abrupte Ende einer Zusammenarbeit – all das bekommt auf Instagram eine andere Wucht. Denn hier treffen Recht, Öffentlichkeit und Emotion frontal aufeinander.

Cancel Culture in Echtzeit

Instagram ist auch der Ort, an dem Cancel Culture funktioniert. Schnell, laut, oft endgültig. Mirtl beschreibt genau dieses Gefühl: verurteilt zu werden, ohne gehört zu werden. Guilt by association. Schlagzeilen statt Beweise. Und eine Dynamik, die kaum Raum für Differenzierung lässt, solange Verfahren noch laufen.

Was Mirtls Text besonders macht, ist der Kontrast zwischen persönlichem Absturz und nüchterner Erfolgsbilanz. Am Ende listet er Zahlen auf, nicht aus Eitelkeit, sondern als Einordnung dessen, was verloren ging – und was niemand ausradieren kann:

In seiner Karriere war Lucas Mirtl an über 89,5 Millionen US-Dollar an verhandelten Deals beteiligt, schloss 41 Factory-Verträge ab, begleitete 13 Profi-Meistertitel und vertrat insgesamt 52 Athleten. Zudem verhandelte er den größten Mid-Term-Extension-Deal in der Geschichte des Sports, war an 18 X-Games-Goldmedaillen beteiligt und konnte mit seinen Athleten sogar eine olympische Goldmedaille feiern.

Dazu Verluste, die keine Zahl erklären kann: zwei enge Weggefährten, gefallen „im Gefecht“. Namen, die bleiben.

Warum der Rückzug kein Schuldeingeständnis ist

Mirtl kündigt an, sich vorerst aus dem Athletenmanagement zurückzuziehen. Nicht aus Reue. Nicht aus Schuld. Sondern aus Verantwortung. Solange der Rechtsstreit läuft, will er verhindern, dass Fahrer, Familien und sein Umfeld weiter Zielscheibe werden. Er schützt andere – auch dann, wenn es ihm selbst schadet. Das zieht sich wie ein roter Faden durch seine Karriere.

Loyalität, wenn sie unpopulär wird

Besonders eindrücklich sind die Passagen über Athleten, die geblieben sind. Die weiter mit ihm gearbeitet haben, als es bequemer gewesen wäre zu gehen. Die Kritik, Druck und Anfeindungen aushielten – und trotzdem lieferten. Oft ohne ihn vor Ort. Improvisiert. Belastend. Aber mit Haltung.

Eine Nachricht für den Sohn – vor aller Augen

Am Ende wird klar, für wen dieser Post wirklich geschrieben ist. Nicht für Follower. Nicht für die Branche. Für seinen Sohn. Instagram wird zur digitalen Zeitkapsel. Ein Ort, an dem festgehalten wird, wer sein Vater war, was er aufgebaut hat und warum er nicht geschwiegen hat, auch als es einfacher gewesen wäre.

Der juristische Ausgang des Konflikts mit den Lawrence-Brüdern wird vor Gericht entschieden, nicht im Kommentarbereich. Doch mit diesem Post hat Mirtl etwas anderes fixiert: seine Geschichte, seine Zahlen und seine Haltung.

Und die kann ihm – egal wie der Rechtsstreit endet – niemand nehmen.