Lucas Coenen: „Perfekt war letztes Wochenende“

Die KTM von Lucas Coenen ist in der Schweiz mit dem Red Plate am Start

Die KTM von Lucas Coenen ist in der Schweiz mit dem Red Plate am Start. / Foto: JPA

Lucas Coenen reist mit dem Red Plate im Gepäck zum MXGP der Schweiz nach Frauenfeld – und mit einem Wochenende im Rücken, das sich kaum besser hätte schreiben lassen. Drei Starts, drei Siege, maximale Kontrolle. Ein Auftritt, der wie eine Machtdemonstration wirkte.

Doch genau an diesem Punkt bremst der KTM-Pilot selbst die Erwartungshaltung. In der Pre-Press-Konferenz spricht er nicht von Dominanz, sondern von einem dieser seltenen Wochenenden, an denen einfach alles zusammenpasst. Starts, Rhythmus, Timing – jede Entscheidung greift ineinander.

Für Coenen ist klar: Das lässt sich nicht planen. Und schon gar nicht wiederholen, nur weil es einmal funktioniert hat.

Zurück auf Anfang – jedes Rennen zählt neu

Auffällig ist, wie wenig Raum er dem vergangenen Wochenende gibt. Kein Nachklingen, kein Auskosten. Stattdessen richtet sich der Fokus konsequent auf das nächste Rennen. Frauenfeld ist für ihn kein Anschluss an die letzte Leistung, sondern ein kompletter Neustart. Die Ausgangslage mag besser sein, das Selbstvertrauen höher – aber das Rennen beginnt trotzdem bei null.

Genau diese Haltung zieht sich durch seine Aussagen. Es geht nicht darum, den perfekten Lauf zu konservieren, sondern darum, erneut die bestmögliche Leistung abzurufen.

Die Strecke entscheidet mit

Ein zentraler Punkt in Coenens Einschätzung ist die Strecke selbst. Frauenfeld gilt als technisch anspruchsvoll, eng und nicht leicht zu lesen – vor allem zu Beginn des Wochenendes. Linien entstehen erst, der Grip verändert sich, die Strecke entwickelt sich von Session zu Session. Für Coenen bedeutet das: beobachten, reagieren, anpassen.

Es ist kein Wochenende, das man einfach „abspulen“ kann. Wer hier vorne mitfahren will, muss die Strecke verstehen – und zwar schnell.

Mehr Fahrer vorne – weniger Spielraum

Ein weiteres Thema, das Coenen anspricht, ist die Entwicklung des Feldes. Die Spitze ist dichter geworden. Mehr Fahrer haben die Geschwindigkeit, um vorne mitzuhalten. Das verändert die Dynamik deutlich. Während sich im Vorjahr vieles zwischen wenigen Namen abgespielt hat, entsteht jetzt ein breiteres Spitzenfeld. Das sorgt für mehr Druck – und weniger Spielraum für Fehler.

Ein kleiner Patzer kann sofort mehrere Positionen kosten. Gleichzeitig bleibt die Chance bestehen, selbst zu profitieren, wenn andere Fehler machen. Es ist ein permanentes Verschieben der Kräfteverhältnisse.

Starts werden zum Schlüssel

Gerade in Frauenfeld verschärft sich diese Situation zusätzlich. Die Strecke lässt wenig Raum für einfache Überholmanöver. Wer gut startet, kontrolliert das Rennen. Wer hinten hängt, verliert Zeit – und oft auch den Anschluss. Coenen macht keinen Hehl daraus, dass genau hier ein entscheidender Punkt liegt. Die ersten Runden werden maßgeblich sein. Positionen müssen früh gemacht werden, bevor sich das Feld sortiert.

Kontrolle statt Überdrehen

Was Coenen aktuell auszeichnet, ist nicht nur die Geschwindigkeit, sondern die Art, wie er sie einordnet. Kein Übermut, kein unnötiger Druckaufbau. Stattdessen ein klarer, kontrollierter Ansatz. Er weiß, dass nicht jedes Wochenende perfekt laufen wird – und genau deshalb versucht er, konstant auf hohem Niveau zu bleiben.

Die rote Platte ist dabei weniger Ziel als vielmehr Konsequenz seiner bisherigen Leistungen.

Frauenfeld als nächster Gradmesser

Der MXGP der Schweiz wird für Coenen zum nächsten wichtigen Schritt. Nicht, weil er etwas beweisen muss, sondern weil sich zeigt, ob er die Form bestätigen kann. Die Voraussetzungen sind da. Das Selbstvertrauen ist vorhanden. Doch die Bedingungen ändern sich – und genau darin liegt die Herausforderung.

Frauenfeld wird kein Wochenende für Experimente. Sondern eines, in dem Präzision, Timing und Übersicht darüber entscheiden, ob aus Momentum echte Konstanz wird.