Lommel: Was die Fahrer wirklich sagten

Start beim MXGP of Flanders 2026 in Lommel

Start beim MXGP of Flanders 2026 in Lommel

Lommel gilt nicht ohne Grund als einer der härtesten Grand Prix des Jahres. Tiefer Sand, hohe Temperaturen und zwei Rennen, die Mensch und Material bis an die Grenze bringen. Genau deshalb lohnen sich die Aussagen der Fahrer nach dem Rennwochenende besonders. Viele sprachen weniger über Platzierungen als über Schmerzen, Selbstvertrauen, Entwicklung oder verpasste Chancen. Zwischen den Zeilen wurde deutlich, wer derzeit auf dem richtigen Weg ist – und wer dringend auf eine Wende hofft.

Herlings fährt wie ein Weltmeister – spricht aber nicht darüber

Jeffrey Herlings ließ in Lommel keinen Zweifel daran, wer an diesem Wochenende der Maßstab war. Er gewann jede einzelne Session, führte jede Rennrunde und baute seinen Vorsprung in der Weltmeisterschaft weiter aus.

Trotzdem klangen seine Aussagen erstaunlich nüchtern. „Das war vielleicht sogar ein perfekteres Wochenende als in Loket, weil ich jede Runde jedes Rennens angeführt habe.“ Viel interessanter war allerdings der Satz danach. „104 Punkte Vorsprung sind ein gutes Polster, aber die Arbeit ist noch nicht erledigt.“

Viele Fahrer würden bei einem derart komfortablen Vorsprung bereits vorsichtig vom Titel sprechen. Herlings tut genau das Gegenteil. Er kennt den Sport zu gut und weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell eine Verletzung oder ein Ausfall alles verändern kann.

Nebenbei lobte er auch das Gesamtpaket. „Das zeigt, wie viel Arbeit das ganze Team investiert hat.“ Die Siege schreibt er also nicht allein sich selbst zu.

Lucas Coenen: Zum ersten Mal klingt es wirklich ernst

Während Herlings jubelte, klang Lucas Coenen so nachdenklich wie selten zuvor. „Ich konnte im Training eigentlich nur zwei Runden fahren. Die Schmerzen waren einfach zu groß.“ Noch wichtiger war jedoch der Blick nach vorne. „Am Mittwoch stehen weitere Untersuchungen an. Dann wissen wir mehr über die Zukunft.“

Bislang hatte der Belgier meist betont, sich von Rennen zu Rennen durchzubeißen. Nach Lommel entstand erstmals der Eindruck, dass inzwischen nicht mehr nur die nächsten Punkte zählen, sondern zunächst geklärt werden muss, wie schwer die Verletzung tatsächlich ist.

Febvre verliert das Podium gleich zweimal

Romain Febvre dürfte Lommel mit den gemischtesten Gefühlen aller Spitzenfahrer verlassen haben. Im ersten Lauf musste er sich erneut durchs Feld arbeiten. Im zweiten Rennen gelang ihm endlich der erhoffte Start, ehe zwei Runden vor Schluss alles zusammenbrach. „Ich hatte endlich einen guten Rhythmus gefunden.“

Dann folgte der heftige Sturz. „Das Gefühl im Moment könnte kaum schlechter sein.“ Besonders bitter: Selbst danach war das Drama noch nicht vorbei. „Ich hatte bis zur letzten halben Runde alles für das Podium gegeben, bis das Motorrad stehen blieb.“

Mehr Pech kann ein Rennen kaum bereithalten.

Triumph zeigt, warum das Team derzeit Maßstäbe setzt

Die Geschichte der MX2 schrieb diesmal Triumph. Camden McLellan feierte den Gesamtsieg, Guillem Farres stand erneut auf dem Podium und baute seine Führung in der Weltmeisterschaft weiter aus.

Bemerkenswert war vor allem die Haltung der beiden Teamkollegen. Farres sagte: „Wenn ich nicht gewinnen kann, dann soll Camden gewinnen.“ Solche Aussagen hört man im Spitzenmotocross selten. McLellan wiederum sprach kaum über den eigenen Erfolg. „Ich kann dem gesamten Team gar nicht genug für die harte Arbeit danken.“

Während andere Teams häufig über Probleme reden, geht es bei Triumph derzeit fast ausschließlich um Vertrauen, Teamarbeit und Entwicklung.

Längenfelder nimmt diesmal das Positive mit

Nach Loket überwog bei Simon Längenfelder noch die Enttäuschung. Diesmal klang der Deutsche deutlich zufriedener. „Drei konstante Rennen und keine großen Fehler – das ist schon besser als vergangene Woche.“ Gerade dieser Nachsatz verrät viel.

Längenfelder weiß selbst, dass ihn zuletzt nicht die Geschwindigkeit, sondern kleine Fehler zurückgeworfen haben. Dass er ausgerechnet in Lommel ein sauberes Wochenende absolvierte, dürfte ihm deshalb fast wichtiger sein als der Podiumsplatz.

Everts erlebt ein Wochenende zum Vergessen

Für Liam Everts begann Lommel eigentlich perfekt. „Ich hatte meinen ersten Holeshot des Jahres.“ Nur wenig später war der Traum vom Podium allerdings geplatzt. Ein technischer Defekt beendete den ersten Lauf vorzeitig. Im zweiten Rennen kam zwar ein weiterer guter Start hinzu, doch diesmal fehlte komplett das Gefühl. „Ich konnte einfach nicht das Gefühl finden, nach dem ich gesucht habe.“

Am Ende brachte es Everts selbst auf den Punkt. „Das war nicht das Wochenende, das wir uns erhofft hatten.“

Gajser sieht endlich wieder Fortschritte

Tim Gajser gehörte erneut zu den Fahrern, die trotz Podium nicht völlig zufrieden waren. Interessant war jedoch, worauf er den Fokus legte. „Es gibt noch viel Arbeit.“ Gleichzeitig machte der Yamaha-Pilot deutlich, dass sich seine Richtung verändert. „Ich hoffe, dass ich bald konstant mit den Spitzenfahrern kämpfen kann.“

Noch vor wenigen Wochen klangen seine Aussagen deutlich ratloser.

KTM: Adamo lernt, Sacha kämpft

Andrea Adamo verließ Belgien mit gemischten Gefühlen. Nach dem Qualifikationsrennen hatte er deutlich mehr erwartet.„Ich hatte im ersten Lauf nicht das beste Gefühl.“ Trotzdem arbeitete er sich im zweiten Rennen nach einem schlechten Start und einem Sturz noch bis auf Platz fünf nach vorne.

Sein Fazit fiel deshalb durchaus selbstkritisch aus.

Sacha Coenen hatte ganz andere Sorgen. „Ich war nicht bei 100 Prozent und wurde ziemlich müde.“ Zehn Tage nach seiner Schlüsselbein-Operation war allein das Durchfahren beider Läufe bereits ein kleiner Erfolg.

Bonacorsi spricht offen über Ducatis Plan

Andrea Bonacorsi verriet etwas, das sonst selten so offen ausgesprochen wird. „Wir wussten, dass wir noch nicht bei 100 Prozent sind.“ Für Ducati stand in Lommel deshalb weniger das Ergebnis als die Entwicklung im Mittelpunkt. „Das Rennen war eine gute Möglichkeit, verschiedene Tests am Motorrad durchzuführen.“

Lommel war für Ducati also gleichzeitig Grand Prix und Testprogramm.

Fantic erlebt ein Heimrennen zum Vergessen

Für Brent Van Doninck hätte das Heimrennen kaum schlechter laufen können. Belgisches Design am Motorrad, Familie und Freunde an der Strecke – und am Ende überwog dennoch die Enttäuschung. „Ich hatte am Sonntag einfach keine Energie mehr.“

Auch Teamkollege Jörgen-Matthias Talviku sprach offen über seine Schwierigkeiten. „Auf diesem Motorrad fehlt mir unter solchen Bedingungen einfach noch das Vertrauen.“

Beide richteten den Blick deshalb schnell auf die Rennpause und den Neustart in Schweden.

Die Reisulis-Brüder bestätigen ihren Aufwärtstrend

Karlis Reisulis sprach erneut über Veränderungen am Motorrad. „Wir haben nach Samstag positive Änderungen vorgenommen und ich habe mich deutlich wohler gefühlt.“ Janis Reisulis war mit Platz fünf bei seinem ersten Grand Prix in Lommel ebenfalls zufrieden.

Trotzdem erkannte er sofort seine größte Baustelle. „Vor allem an meiner Fitness muss ich noch arbeiten.“

Spies bestätigt seinen Aufwärtstrend

Auch Maximilian Spies dürfte Lommel mit einem guten Gefühl verlassen haben. Der KTM-Pilot ging nach eigener Aussage ganz bewusst ohne großen Druck in das Sandrennen. „Wir sind ganz bewusst locker an das Wochenende herangegangen. Im Sand fühle ich mich grundsätzlich wohl und schon im Qualirennen hatte ich ein richtig gutes Gefühl auf der Strecke.“

Besonders zufrieden zeigte sich der Deutsche mit der Arbeit seines kleinen Teams. „Die Konstellation mit meinen Eltern im Team hat super funktioniert.“ Dass am Ende noch mehr möglich gewesen wäre, weiß Spies selbst. „Der Speed für mehr ist auf jeden Fall da. In Lommel ist es am Ende eine Frage der Taktik. Hätte ich am Anfang einen Tick weniger Kraft rausgehauen, hätte es vielleicht schon für eine bessere Position gereicht.“

Sein Fazit fiel deshalb entsprechend positiv aus. „Unterm Strich war es ein gelungenes Wochenende und wieder ein Schritt in die richtige Richtung.“

Brumann und Geerts nehmen mehr mit als Punkte

Kevin Brumann schaffte zwar keinen perfekten Sonntag, blickte aber trotzdem optimistisch nach vorne. „Mit der Geschwindigkeit sind wir definitiv wieder da.“ Jago Geerts zog ein ähnliches Fazit. Zwei Stürze verhinderten ein besseres Ergebnis. „Ich bin trotzdem zufrieden damit, wie ich gefahren bin.“

Beide Fahrer bewerteten ihre Leistung höher als das nackte Resultat.

Lommel zeigte, wer schon weiterdenkt

Auffällig war, wie unterschiedlich die Fahrer ihre Wochenenden einordneten.

Jeffrey Herlings sprach trotz eines dominanten Auftritts nicht über die Weltmeisterschaft. Lucas Coenen beschäftigte sich kaum mit Ergebnissen, sondern mit seiner Gesundheit. Triumph denkt inzwischen in Teamerfolgen und Meisterschaftspunkten. Simon Längenfelder freute sich mehr über ein fehlerfreies Wochenende als über den Podiumsplatz, während Liam Everts trotz Holeshot und guter Starts ohne das gewünschte Gefühl abreiste.

Die Aussagen aus Lommel zeigen damit vor allem eines: Mit noch fünf Grand Prix vor sich geht es längst nicht mehr nur um einzelne Rennsiege. Viele Fahrer haben den Blick bereits auf das große Ganze gerichtet – auf die Weltmeisterschaft, die eigene Entwicklung oder schlicht darauf, gesund durch die entscheidende Phase der Saison zu kommen.