Lierop: Everts dominiert, Herlings siegt auf der Honda

Liam Everts feierte beim Sasionauftakt in Lierop seinen ersten Sieg im Jahr 2026.

Liam Everts feierte beim Sasionauftakt in Lierop seinen ersten Sieg im Jahr 2026. / Foto: Bavo Swijgers

Wenn im niederländischen Lierop gefahren wird, weiß jeder im Fahrerlager: Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Tiefer Sand, endlose Rillen und eine Strecke, die selbst erfahrene Fahrer körperlich an ihre Grenzen bringt. In diesem Jahr kamen noch fast sommerliche Temperaturen hinzu – perfekte Bedingungen für ein Rennen, das für viele Fahrer als letzter ernsthafter Formtest vor dem MXGP-Saisonstart in Argentinien diente.

Sportlich setzten dabei zwei Namen die deutlichsten Ausrufezeichen: Liam Everts in der MX2 und Jeffrey Herlings in der MXGP-Klasse.

Everts fährt der Konkurrenz davon

Der erste MX2-Lauf begann zunächst mit Kay Karssemakers an der Spitze. Doch lange hielt diese Konstellation nicht. Bereits in den ersten Runden schob sich Liam Everts nach vorne – und sobald der Belgier einmal freie Strecke hatte, begann das Rennen praktisch auseinanderzufallen.

Runde für Runde wuchs der Vorsprung. Während hinter ihm Scott Smulders, Karssemakers und die übrigen Fahrer mit den tiefen Spurrillen kämpften, fuhr Everts vorne einen völlig eigenen Rhythmus. Zwischenzeitlich lag sein Vorsprung bereits bei über zehn Sekunden – und er hörte nicht auf zu wachsen.

Während dahinter Positionen wechselten und Fahrer wie Mathis ValinDani Heitink oder Mads Fredsoe Fehler machten oder Plätze verloren, blieb Everts vollkommen stabil. Am Ende gewann der Husqvarna-Pilot den Lauf mit nahezu 30 Sekunden Vorsprung. Eine Machtdemonstration im Sand von Lierop.

Im zweiten Lauf setzte sich das Bild fort. Everts kontrollierte das Rennen erneut von vorne und sicherte sich damit einen klaren 1-1-Gesamtsieg. Ein Ergebnis, das vor dem WM-Auftakt kaum besser hätte ausfallen können.

Herlings gegen Febvre – das erwartete Sand-Duell

In der MXGP-Klasse richteten sich viele Blicke auf zwei Fahrer: Jeffrey Herlings und Romain Febvre.

Der erste Lauf entwickelte sich schnell zu einem klassischen Sandduell. Zunächst lag Calvin Vlaanderen mit der Ducati an der Spitze, doch im Verlauf des Rennens arbeitete sich Febvre nach vorne und übernahm die Führung. Hinter ihm begann Herlings, sich nach durchwachsenem Start langsam durch das Feld zu kämpfen.

Der Niederländer wirkte zunächst noch nicht vollkommen im Rhythmus mit seiner neuen Honda, doch je länger das Rennen dauerte, desto mehr kam der typische Herlings-Speed zum Vorschein. Runde für Runde verkürzte er den Abstand auf Febvre. Am Ende fehlte nur rund eine Sekunde – Febvre gewann den Lauf, Herlings wurde Zweiter.

Herlings schlägt zurück

Im zweiten Lauf änderte sich die Dynamik. Diesmal erwischte Herlings einen deutlich besseren Start und setzte sich früh an die Spitze des Feldes. Febvre blieb zwar in Schlagdistanz, doch der Niederländer kontrollierte das Rennen zunehmend.

Als Herlings in den Schlussrunden noch einmal das Tempo erhöhte, öffnete sich der Abstand entscheidend. Der Red-Bull-Honda-Pilot gewann den Lauf und sicherte sich damit auch den Gesamtsieg in Lierop. Hinter ihm belegte Febvre Rang zwei der Tageswertung, während Calvin Vlaanderen mit zwei dritten Plätzen ebenfalls ein starkes Ergebnis einfuhr.

Ein Vorgeschmack auf die WM?

Auch wenn das Lierop International kein offizielles WM-Rennen ist – die Ergebnisse werden im Fahrerlager genau beobachtet. Für viele Teams ist es der letzte ernsthafte Formcheck vor dem Start der Motocross-Weltmeisterschaft in Argentinien.

Vor allem Jeffrey Herlings dürfte mit breiter Brust nach Südamerika reisen. Der Niederländer zeigte in Lierop erstmals, welches Potenzial in der Honda steckt.

Und auch Liam Everts hat eine klare Botschaft hinterlassen: Wenn der WM-Auftakt im Sand entschieden wird, gehört der Belgier ganz sicher zu den Fahrern, die man auf dem Zettel haben muss.