Lettenbichler beim TKO eine Klasse für sich

Manuel Lettenbichler (#304) und die Enduro Elite beim Red Bull Tennessee Knockout 2026

Manuel Lettenbichler (#304) und die Enduro Elite beim Red Bull Tennessee Knockout 2026. / Foto: KTM

Wie groß war Manuel Lettenbichlers Vorsprung beim Tennessee Knockout wirklich? Schon der Samstag lieferte darauf eine ziemlich deutliche Antwort. Im Pro Hot-Lap nahm der KTM-Werksfahrer der Konkurrenz 32 Sekunden ab. Am Sonntag gewann er anschließend beide Knockout-Stufen und das 45-minütige Finale. Vier Starts, vier Siege – mehr war an diesem Wochenende nicht drin. 

Hinter Lettenbichler komplettierte Trystan Hart den KTM-Doppelerfolg. Billy Bolt wurde auf der Husqvarna Dritter, Jonny Walker brachte die Triumph TF 450-E nach einer Aufholjagd auf Platz fünf ins Ziel.

Lettenbichler musste nicht einmal überziehen

Lettenbichlers Vorsprung im Hot-Lap war bereits ein Hinweis darauf, wie gut er mit den Bedingungen in Nashville zurechtkam. Am Sonntag bestätigte sich dieses Bild.

Nach den Siegen in Knockout Race 1 und seiner Gruppe im zweiten Durchgang ging er aus der ersten Reihe ins Finale. Dort setzte er sich vorne fest und blieb von den Fehlern verschont, die einigen seiner Konkurrenten das Leben schwer machten.

Interessant war deshalb vor allem seine eigene Einschätzung. „Das war ein ziemlich gutes Wochenende. Ich bin mit meiner Fahrerei echt zufrieden. Ich habe gar nicht versucht, besonders hart zu pushen, sondern wollte sauber fahren und keine Fehler machen. Das hat sich ausgezahlt. Ich konnte selbst kaum glauben, wie groß der Abstand zu den anderen war.“

Bei einem Rennen wie dem TKO ist genau das viel wert. Wer bei Hitze und über 45 Minuten ständig am Limit fährt, bezahlt Fehler schnell mit viel Zeit und Kraft. Lettenbichler fand offenbar ein Tempo, mit dem er schnell war, ohne sich selbst zusätzliche Arbeit zu machen.

Sein vierter TKO-Sieg war entsprechend deutlich.

Bolt: „Ich war heute nicht der Drittschnellste“

Während Lettenbichler vorne seinen Rhythmus fuhr, hatten Trystan Hart und Billy Bolt wesentlich mehr miteinander zu tun. Hart wurde im ersten Knockout Zweiter und gewann anschließend seine Gruppe. Bolt kam zunächst als Fünfter weiter, steigerte sich im zweiten Durchgang und holte dort ebenfalls den Gruppensieg.

Im Finale warf ein Sturz in der ersten Kurve den Husqvarna-Werksfahrer zurück. Er arbeitete sich wieder nach vorne und lag auf Rang drei, ehe ein Fehler von Hart den Kampf um Platz zwei noch einmal öffnete.

Bolt redete seine eigene Leistung danach nicht größer, als sie gewesen war. „Ich glaube nicht, dass ich heute der drittschnellste Fahrer war. Aber ich wusste: Wenn ich nach den ersten Runden einigermaßen vorne dabei bin, kann ich mich durchbeißen und im Rennen bleiben.“

Als Hart patzte, versuchte Bolt noch einmal heranzukommen. Auf der letzten Runde konnte der Kanadier den Angriff allerdings abwehren. „Auf der vorletzten Runde konnte ich etwas aufholen und wollte es in der letzten noch einmal versuchen. Aber Trystan ist eine richtig gute letzte Runde gefahren. Ich habe ihn überhaupt nicht mehr gesehen.“

Hart wurde Zweiter, Bolt musste sich mit Rang drei zufriedengeben. Für einen Tag, an dem er sich selbst nicht besonders schnell fühlte, war das zumindest Schadensbegrenzung auf ziemlich hohem Niveau.

Walker macht sich das Leben selbst schwer

Jonny Walker hatte mit der TF 450-E durchaus den Speed für eine gute Platzierung, musste dafür im Finale aber einiges reparieren.

Nach Platz acht im Hot-Lap wurde er im ersten Knockout Vierter. Im zweiten Durchgang nahm er wegen eines Problems mit seinem Trinksystem etwas Tempo heraus und erreichte als Dritter seiner Gruppe das Finale.

Damit musste er aus der dritten Reihe starten. „Ich hatte einen schlechten Start und bin direkt gestürzt. Damit war ich praktisch Letzter.“

Walker begann seine Aufholjagd, stürzte später noch einmal im Fluss und kam trotzdem bis auf Rang vier nach vorne. Selbst bei den Runden war er sich zwischenzeitlich nicht ganz sicher. „Ich dachte, die weiße Flagge wäre die letzte Runde, dabei war es erst die vorletzte. Also musste ich noch einmal Druck machen.“

Bis zum letzten Anstieg hielt er Platz vier. Dort kostete ihn ein weiterer Fehler noch eine Position. „Das war ein dummer Fehler am letzten Berg und dadurch habe ich Platz vier noch verloren. Am Ende sind wir Fünfter geworden und damit bin ich ziemlich zufrieden.“

Vor allem mit der Triumph zeigte sich Walker zufrieden. Die TF 450-E habe sehr gut funktioniert, und für ihn steht bereits fest, dass er im kommenden Jahr wieder beim TKO antreten möchte.

Wer soll Lettenbichler dort schlagen?

Hart hatte am Ende genug mit Bolt zu tun. Bolt erwischte nach eigener Aussage nicht seinen besten Tag. Walker musste sich nach seinem frühen Sturz erst einmal durch das Feld arbeiten.

Lettenbichler hielt sich aus all dem raus.

Der 32-Sekunden-Vorsprung im Hot-Lap und die anschließenden Siege in jeder Knockout-Stufe zeigen ziemlich klar, dass es nicht nur die Fehler der Konkurrenz waren, die seinen Erfolg möglich machten. Er war schnell und blieb sauber – beim TKO eine ziemlich unangenehme Kombination für alle anderen.

Viermal hat Lettenbichler das Tennessee Knockout inzwischen gewonnen. Nach diesem Wochenende dürfte die Konkurrenz für 2027 vor allem eine Aufgabe haben: einen Weg finden, ihn dort überhaupt unter Druck zu setzen.