„Er hat gelogen.“ – Jake Weimer platzt der Kragen
Jake Weimer beim Supercross Stuttgart 2025
Es war kein Instagram-Reel. Kein vorbereiteter Pressetext. Kein kalkulierter PR-Moment. Jake Weimer hat sich in der aktuellen PulpMX-Show von Steve Matthes geäußert – live, hörbar emotional, und mit einer Klarheit, die man so selten bekommt.
Auslöser war eine Aussage von Kawasaki-Teammanager Dan Fahie bei einer Pressekonferenz in Anaheim. Auf die Frage, ob Kawasaki früher zu unflexibel gewesen sei, wenn es um technische Änderungen ging, antwortete Fahie sinngemäß: Diese Gerüchte seien nicht begründet. Man habe auch in den 2010ern alles getan, um Fahrer komfortabel zu machen – selbst zu Zeiten von Ryan Villopoto.
Für Jake Weimer war genau das der Punkt, an dem er nach zwölf Jahren nicht mehr schweigen wollte.
Sein Satz in der Show war unmissverständlich: „Er hat gelogen.“
Ein Statement, das ihn nicht mehr losließ
Weimer schildert in der PulpMX-Show, wie ihm der entsprechende Clip zugeschickt wurde – und wie ihn die Aussage regelrecht traf. Er sagt von sich selbst, dass er über seine Karriere hinweg nie Schlaf verloren habe, egal ob Ergebnisse gut oder schlecht waren. Doch dieses Mal war es anders. Der Satz ließ ihn nicht los.
Er habe sich wochenlang gefragt, ob er sich äußern solle. Am Ende entschied er: Wenn er jetzt nichts sagt, wird seine Geschichte falsch stehen bleiben.
Wichtig dabei: Weimer betont mehrfach, dass sich seine Kritik nicht gegen Kawasaki als Marke richtet. Sein Problem sei die Darstellung, dass man damals alles versucht habe, um ihn technisch zufrieden zu stellen.
„Das ist unser Motorrad – lern, es zu fahren“
In der Sendung beschreibt Weimer seine damalige Situation deutlich. Er habe das Gefühl gehabt, dass es ein fixes Paket gab – und dass von ihm erwartet wurde, sich diesem anzupassen.
Er spricht konkret über das Gefühl eines sehr steifen Frontends, viel Feedback über den Lenker und eine Balance, die für seinen Fahrstil nicht funktionierte. Mehrfach habe er darum gebeten, bestimmte Komponenten – unter anderem serienmäßige Triple Clamps – testen zu dürfen.
Seiner Darstellung zufolge wurde das abgelehnt.
Für Weimer war das kein Detail, sondern ein grundlegendes Thema. Er sagt offen, dass er damals gemerkt habe, dass er unter diesen Bedingungen kaum die nötige Stabilität in seinen Ergebnissen finden würde.
Der Villopoto-Vergleich greift zu kurz
Ein zentraler Punkt in der Diskussion: Ryan Villopoto gewann mit diesem Motorrad Titel. Also müsse es funktioniert haben.
Weimer widerspricht diesem Argument – ohne Villopoto anzugreifen. Im Gegenteil, er nennt ihn ein außergewöhnliches Talent. Doch genau das ist sein Kernpunkt: Ein Ausnahmekönner kann mit einem schwierigen Paket gewinnen – das heißt nicht automatisch, dass es für jeden Fahrer passt.
In der Show betont Weimer, dass unterschiedliche Fahrstile unterschiedliche Anforderungen haben. Das „RV konnte es ja auch“-Argument sei für ihn deshalb kein valider Maßstab.
Heute scheint es anders
Interessant ist auch, dass Weimer in der PulpMX-Show klar zwischen Vergangenheit und Gegenwart unterscheidet. Er sagt, wenn er sich aktuelle Bilder von Jorge Prado oder Chase Sexton ansieht, erkenne er deutlich mehr technische Variation.
Sein Eindruck: Heute wird offenbar intensiver ausprobiert. Seine Kritik bezieht sich ausschließlich auf seine eigene Zeit im Team – und auf die Aussage, man habe damals bereits alles versucht.
Mehr als nur sportliche Folgen
Weimer geht noch weiter und spricht offen über die Konsequenzen. Er behauptet nicht, dass er zwangsläufig Champion geworden wäre. Aber er ist überzeugt, dass konstantere Top-Fünf-Ergebnisse realistisch gewesen wären.
Und in dieser Klasse bedeutet das mehr als nur ein paar Plätze. Es bedeutet Vertragswert, Marktwert und Karrierestabilität. Weimer deutet an, dass ihn diese Phase finanziell massiv gekostet haben könnte.
Keine Abrechnung – sondern Verantwortung
Trotz der Schärfe seiner Worte wirkt sein Auftritt nicht wie eine Abrechnung. Er sagt mehrfach, dass er die Leute im Team mochte und viele Jahre bewusst geschwiegen habe. Was er sich wünscht, ist keine öffentliche Schlammschlacht. Sondern Anerkennung.
In der PulpMX-Show wurde deutlich: Für Jake Weimer geht es nicht darum, alte Rechnungen aufzumachen – sondern darum, dass seine Realität nicht nachträglich anders dargestellt wird.
