Chase Sexton übt Kritik an Feld Entertainment

Nach seinem Sieg beim Anaheim 2 Supercross übte Chase Sexton (#) harsche Kritik an Promoter Feld Entertainment

Nach seinem Sieg beim Anaheim 2 Supercross übte Chase Sexton (#) harsche Kritik an Promoter Feld Entertainment. / Foto: Feld Entertainment

Chase Sexton hat in Anaheim geliefert. Der Gesamtsieg bei der dritten Runde der Supercross-Saison war sportlich ein Ausrufezeichen – und genau dieser Moment macht seine Worte danach so bemerkenswert. Denn statt sich nur über Setup, Starts oder den Titelkampf zu äußern, wurde Sexton im Gespräch mit Lewis Phillips ungewohnt grundsätzlich. Sein Thema: die Rolle von Feld Entertainment als Promoter der Serie.

„Wir werden gehört – aber nicht wirklich“

Sexton macht schnell klar, dass es ihm nicht um einzelne Entscheidungen geht. Es geht um das große Ganze. Sein Eindruck: Die Fahrer dürfen reden, aber wirklich zuhören tue niemand. Feld stelle die Serie auf die Beine, dafür zeigt er sich dankbar – doch ob die Meinung der Athleten am Ende irgendeine Rolle spiele, daran hat er deutliche Zweifel.

Zwischen den Zeilen wird klar: Es fehlt nicht an Kommunikation, sondern an echter Mitsprache.

Wenn der Sport zur Show wird

Besonders kritisch wird Sexton, wenn er über den Charakter der Serie spricht. Supercross sei für ihn kein Entertainment-Produkt, sondern ein Beruf. Ein Hochleistungssport. Und genau hier sieht er eine Schieflage. Manchmal wirke das Ganze eher wie eine große Inszenierung – fast wie ein Zirkus – und weniger wie ein professioneller Wettbewerb, der den Fahrern den nötigen Raum gibt.

Das ist kein Angriff auf Fans oder Atmosphäre, sondern ein Appell an die Balance.

Dauerbühne statt Fokus

Ein Punkt, der Sexton besonders beschäftigt, ist der Alltag an Renntagen. Fahrer seien praktisch den ganzen Tag über zugänglich: Fans im Fahrerlager, Medien, Durchgangsverkehr. Er betont mehrfach, dass er den Kontakt mit den Fans mag – aber nicht rund um die Uhr.

Sein Wunsch ist simpel: klare Zeitfenster. Momente, in denen Fahrer präsent sind, und andere, in denen sie sich auf ihren Job konzentrieren können. Stattdessen fühle sich vieles nach Dauerbühne an – und das koste Energie und Fokus.

Mehr als nur ein Supercross-Problem

Spannend ist: Sexton schiebt das Thema nicht allein Feld Entertainment zu. Er sagt offen, dass er ähnliche Strukturen auch in anderen Bereichen des Motocross sieht, etwa in der MXGP. Denn auch in der Motocross-Weltmeisterschaft prangerten Fahrer wie Herlings & Co. das fehlende Mitspracherecht in der Vergangenheit an. Für Sexton ist das kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem des Sports insgesamt.

Genau das nimmt der Kritik die Schärfe einer persönlichen Abrechnung – und gibt ihr Gewicht.

Worte aus einer starken Position

Dass diese Aussagen direkt nach einem Sieg kommen, ist entscheidend. Sexton spricht nicht aus Frust oder Enttäuschung, sondern aus einer Position der Stärke. Er steht ganz oben – und nutzt genau diesen Moment, um Dinge anzusprechen, die ihn und viele andere Fahrer schon länger beschäftigen.

Kein Angriff, sondern ein Warnsignal

Chase Sexton greift niemanden persönlich an. Aber er stellt eine unbequeme Frage: Wie viel Raum bekommt der Sport noch, wenn die Show immer größer wird? Seine Aussagen sind kein Protest, sondern ein Denkanstoß – für Promoter, Serien und den Motocross-Sport insgesamt.

Und genau deshalb sollte man sie ernst nehmen.