Chase Sexton beweist: Die Kawasaki war nicht das Problem

Chase Sexton nach seinem ersten Sieg auf der Kawasaki

Chase Sexton nach seinem ersten Sieg auf der Kawasaki. / Foto: Feld Entertainment

Es ist eine Geschichte, die im Motocross und Supercross immer wieder erzählt wird: Ein Fahrer kämpft, das Motorrad gerät in den Fokus – und irgendwann steht die Frage im Raum, ob Technik oder Mensch der limitierende Faktor ist. Chase Sexton liefert 2026 auf diese Frage eine bemerkenswert klare Antwort.

Mit seinem Sieg beim 450SX-Main Event in Anaheim 2 hat Sexton nicht nur seinen ersten Erfolg auf grün gefeiert, sondern zugleich ein Narrativ verschoben, das die Kawasaki in den vergangenen Jahren hartnäckig begleitet hat. Denn plötzlich sieht alles ganz anders aus: ruhig, kontrolliert, schnell – und vor allem siegfähig.

Ein Bike unter Dauerverdacht

Noch in der vergangenen Saison stand die Kawasaki regelmäßig in der Kritik. Jorge Prado machte keinen Hehl daraus, dass er mit dem Fahrverhalten der Maschine fremdelte. Zu nervös, zu wenig Vertrauen, kein Gefühl fürs Vorderrad – Prados Aussagen prägten das Bild einer Kawasaki, die auf höchstem Niveau schwer zu beherrschen sei.

Diese Kritik blieb hängen. In der öffentlichen Wahrnehmung ebenso wie im Fahrerlager. Kawasaki galt als schnell, aber heikel. Als Motorrad, das Ergebnisse eher verhindert als ermöglicht.

Sexton dreht die Erzählung um

2026 erzählt nun eine andere Geschichte. Und ihr Hauptdarsteller heißt Chase Sexton. Nach seinem Wechsel zu Monster Energy Kawasaki liefert der Amerikaner nicht nur solide Ergebnisse, sondern messbare Dominanz in entscheidenden Phasen des Wochenendes.

Zwei von drei Qualifyings gewann Sexton bislang – jeweils mit deutlichem Vorsprung. Hinzu kommt ein Heat-Race-Sieg und nun der Gesamtsieg beim A2 in der 450SX-Klasse. Das sind keine Zufallstreffer, sondern Bausteine eines klaren Trends.

Auffällig dabei: Sexton wirkt nicht, als würde er gegen das Motorrad arbeiten. Im Gegenteil. Seine Linienwahl ist sauber, sein Rhythmus konstant, seine Fehlerquote niedrig. Die Kawasaki wirkt plötzlich berechenbar – fast unspektakulär. Und genau das ist im Supercross oft der Schlüssel zum Erfolg.

Fahrer-Motorrad-Paket statt Ausrede

Natürlich ist jedes Setup individuell. Natürlich war Prados Kritik nicht aus der Luft gegriffen. Aber Sexton zeigt eindrucksvoll, wie stark das Gesamtpaket Fahrer, Team und Abstimmung über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Die Kawasaki ist nicht plötzlich ein anderes Motorrad geworden. Was sich verändert hat, ist der Umgang mit ihr. Sexton fährt sie innerhalb ihrer Stärken, nicht darüber hinaus. Er zwingt dem Bike nichts auf, sondern nutzt das, was es anbietet. Und genau darin liegt der Unterschied.

Ein Signal – auch an das Fahrerlager

Mit seinem Sieg hat Sexton nicht nur Punkte gesammelt, sondern auch ein Zeichen gesetzt. Die Kawasaki ist konkurrenzfähig. Auf höchstem Niveau. In einem Feld, das dichter kaum sein könnte. Die Diskussion, ob das Motorrad „schuld“ sei, verliert damit an Substanz. 2026 zeigt: Wer die Kawasaki versteht, kann mit ihr gewinnen. Und wer gewinnt, schreibt die Geschichte neu.

Chase Sexton hat mit seinem Auftritt in Anaheim mehr getan als ein Rennen zu gewinnen. Er hat ein Image korrigiert. Die Kawasaki ist kein Handicap, kein Problemfall, kein Kompromiss. Sie ist ein Werkzeug – und in den richtigen Händen ein sehr schnelles.

Manchmal braucht es keinen großen technischen Umbruch. Manchmal reicht ein Fahrer, der beweist, dass das Limit nicht im Motorrad liegt.

Ergebnis des Supercross Anaheim 2 – 450SX

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