ADAC MX Masters Vellahn: Was hinter einem Rennwochenende steckt

Die 6. Runde der ADAC MX Masters 2026 fand beim MC Vellahn statt

Die 6. Runde der ADAC MX Masters 2026 fand beim MC Vellahn statt

230 Helfer, mindestens 5.000 Arbeitsstunden, 2.000 Liter Diesel und eine Landesstraße, die für ein Wochenende gesperrt wird. Beim ADAC MX Masters in Vellahn habe ich wieder einmal gesehen, welcher Aufwand eigentlich nötig ist, bevor überhaupt das erste Startgatter fällt.

Wenn am Samstagmorgen die ersten Motorräder auf die Strecke rollen, beginnt für mich normalerweise das eigentliche Rennwochenende. Kamera raus, erste Fotos machen, schauen, was auf der Strecke passiert, und nebenbei versuchen, möglichst schnell die ersten Inhalte online zu bekommen.

Für den veranstaltenden Verein sieht die Sache völlig anders aus. Wenn ich meine Arbeit beginne, haben die Leute des MC Vellahn einen großen Teil ihrer Arbeit bereits hinter sich.

Für die sechste Runde der ADAC MX Masters 2026 waren rund 230 Helfer im Einsatz. Schon vor dem eigentlichen Rennwochenende hatten sie etwa 5.000 Arbeitsstunden angesammelt. Und selbst diese Zahl dürfte den tatsächlichen Aufwand nur teilweise widerspiegeln. Die Dunkelziffer liegt nach Angaben des Vereins wesentlich höher.

5.000 Stunden Arbeit, bevor wir überhaupt anfangen, über Ergebnisse zu reden.

2.000 Liter Diesel für eine Rennstrecke

Einen Teil dieser Arbeit konnte man am Wochenende direkt sehen. Die Strecke war bestens präpariert und wartete an einigen Stellen mit Neuerungen auf die zahlreichen Fans und natürlich auch die Fahrer.

Wer häufiger bei Motocrossrennen unterwegs ist, weiß aber auch, wie schnell sich das ändern kann. Nach einigen Trainings und Rennen sieht eine Strecke völlig anders aus als am frühen Samstagmorgen. Entsprechend viel Arbeit ist nötig, um sie über ein komplettes Wochenende in einem möglichst guten Zustand zu halten.

In Vellahn waren dafür immer wieder schwere Maschinen im Einsatz. Abschnitte wurden bearbeitet, geschoben und vorbereitet. Am Ende standen dafür rund 2.000 Liter verbrauchter Diesel auf der Rechnung. Das ist eine Zahl, über die ich vorher ehrlich gesagt auch nicht groß nachgedacht habe. Ich sehe den Radlader oder die Raupe auf der Strecke, nutze die Pause vielleicht, um Bilder zu bearbeiten, und kurze Zeit später geht es weiter.

Was allein dahintersteckt, damit die Strecke wieder für das nächste Rennen bereit ist, bekommt man nur am Rande mit. Und die Streckenpflege ist schließlich nur einer von vielen Posten.

Anspruchsvoll, aber nicht unnötig gefährlich

Dass dieser Aufwand bei den Fahrern ankam, bestätigte auch Cato Nickel. Der Fahrer aus der Masters-Klasse ist selbst Mitglied des MC Vellahn und damit sicherlich nicht vollkommen unbefangen. Seine Einschätzung ist trotzdem interessant, weil er die Strecke aus einer Perspektive beurteilen konnte, die mir als Fotojournalist verwehrt bleibt.

Nickel hatte den Verantwortlichen vor dem Wochenende unter anderem geraten, die Absprünge sicher zu gestalten und darauf zu achten, dass die Kurven griffig bleiben. Aus seiner Sicht wurden diese Hinweise umgesetzt. „Die Strecke war trotzdem noch anspruchsvoll und technisch, aber gleichzeitig griffig und sicher“, fasste er seinen Eindruck zusammen.

Besonders positiv bewertete Nickel, dass die Strecke nicht einfach komplett glattgeschoben wurde. Stattdessen seien die gröbsten Löcher leicht entschärft worden. Der technische Anspruch blieb erhalten, ohne die Fahrer an jeder Stelle unnötig ins Risiko zu schicken.

Natürlich darf man in diesem Zusammenhang nicht verschweigen, dass am Wochenende zweimal ein Rettungshubschrauber benötigt wurde. Auch Nickel sprach diesen Punkt von sich aus an. Für ihn stand das allerdings nicht im Widerspruch zum Zustand der Strecke. Trotz dieser Einsätze bewertete er den Streckenverlauf, die präparierten Absprünge und die laufende Pflege als vergleichsweise sicher.

Absolute Sicherheit gibt es im Motocross nicht. Entscheidend ist deshalb, ob ein Veranstalter vermeidbare Gefahren reduziert, ohne aus der Strecke eine glattgeschobene Autobahn zu machen. Nach Nickels Einschätzung ist dieser Spagat in Vellahn gelungen.

Sein Urteil über das Wochenende fiel entsprechend deutlich aus: „Ich würde sogar sagen, das war die beste Veranstaltung im ADAC-Kalender. Nicht nur, weil es mein Heimatverein ist, sondern weil sie meiner Meinung nach alles richtig gemacht haben.“

Für das Masters wird sogar eine Landesstraße gesperrt

Eine Besonderheit in Vellahn liegt direkt vor dem Vereinsgelände. Dort verläuft die Landesstraße 5 (L 05). Das ist keine kleine Zufahrtsstraße zum Motocrossgelände, sondern eine regionale Verkehrsachse im südwestlichen Mecklenburg-Vorpommern, die durch das Gemeindegebiet von Vellahn führt und die Region unter anderem mit Wittenburg verbindet.

Für das Masters-Wochenende wird die L 05 im Bereich des Veranstaltungsgeländes gesperrt. Als Besucher fährt man hin, sieht die Absperrungen und nimmt das vermutlich einfach als Teil der Veranstaltung wahr. Dahinter steckt allerdings erneut organisatorischer und vor allem finanzieller Aufwand.

Rund 3.100 Euro kostet allein diese Straßensperrung.

Das muss man sich einmal vor Augen führen: 3.100 Euro, damit für ein Motocross-Wochenende vor dem Vereinsgelände kein normaler Straßenverkehr rollt.

Und damit ist noch keine Strecke präpariert, kein Toilettenwagen bezahlt, kein Zuschauer versorgt und kein Rennen gestartet. Dazu kommen Absperrungen, Stromversorgung, Technik, Sicherheitsmaßnahmen und zahlreiche weitere Dinge, die man als Besucher wahrscheinlich überhaupt nicht wahrnimmt.

Für ein Wochenende entsteht in Vellahn praktisch eine kleine Veranstaltungsstadt.

Früher aufs Gelände und genügend Platz

Nickels Lob beschränkte sich nicht auf die Strecke. Auch die Organisation rund um das Fahrerlager empfand er als deutlich entspannter als bei manch anderer Veranstaltung. Die Teams seien früher auf das Gelände gelassen worden, ausreichend Platz habe ebenfalls zur Verfügung gestanden. Nach seiner Einschätzung waren die vorhandenen Flächen nicht einmal vollständig ausgereizt.

Das klingt zunächst vielleicht nach einem kleinen Detail. Wer allerdings schon einmal mit einem großen Teamtransporter, mehreren Motorrädern, Zelten und zusätzlichem Material in ein enges Fahrerlager musste, dürfte das anders sehen. Wenn die Anreise nicht funktioniert oder die Fahrzeuge keinen vernünftigen Platz finden, beginnt das Wochenende bereits mit unnötigem Stress.

Ein Satz aus seiner Einschätzung blieb mir besonders im Gedächtnis: Beim MC Vellahn werde nicht nur viel geredet, der Verein setze seine Ideen anschließend auch um.

Genau dieser Eindruck passte zu dem, was ich am Wochenende selbst erlebt hatte.

WLAN ist inzwischen mehr als Luxus

Einen kleinen Teil dieses organisatorischen Aufwands habe ich selbst zu spüren bekommen.

Für uns Pressevertreter ist eine vernünftige Internetverbindung inzwischen ziemlich wichtig. Fotos werden teilweise direkt von der Strecke verschickt, Videos müssen hochgeladen werden und Beiträge sollen möglichst schnell online gehen. WLAN war in Vellahn vorhanden. Besonders schnell war es allerdings nicht. Viel wichtiger war für mich aber, wie der Verein damit umging.

Die Leute des MC Vellahn setzten alles in Bewegung, damit wir Presseleute unsere Fotos und Videos möglichst direkt hochladen konnten. Das klingt für jemanden, der eine Veranstaltung einfach nur besucht, vielleicht nach einer Nebensache.

Für mich ist es das nicht.

Wenn Medienvertreter nach einem Rennen mehrere Gigabyte Bild- und Videomaterial verschicken möchten, macht es einen gewaltigen Unterschied, ob das funktioniert oder ob man irgendwann nachts im Hotel sitzt und dort versucht, seine Arbeit fertigzustellen.

Deshalb gehört auch das für mich zu diesem Wochenende. Nicht, weil in Vellahn plötzlich Highspeed-Internet an jeder Ecke vorhanden gewesen wäre, sondern weil ich gemerkt habe, dass sich jemand Gedanken gemacht und versucht hat, eine Lösung zu finden.

Es funktionierte vielleicht nicht alles auf Anhieb. Ich hatte aber nie das Gefühl, dass ein Problem einfach abgetan wurde.

Sogar das Wetter spielte einigermaßen mit

Etwas kann allerdings auch ein Verein mit 230 Helfern nicht organisieren: das Wetter. Die Vorhersagen vor dem Wochenende ließen durchaus Schlimmeres erwarten. Am Ende blieb es in Vellahn aber überschaubar gut. Zwischendurch zeigte sich sogar die Sonne.

Das mag nach einer Randnotiz klingen, für einen Veranstalter ist es aber wesentlich mehr. Nach Monaten der Vorbereitung kann ein komplett verregnetes Wochenende Zuschauer kosten, Parkflächen zum Problem machen und gleichzeitig die Arbeit auf der Strecke massiv erhöhen.

Diesmal hatte Vellahn zumindest in dieser Hinsicht einigermaßen Glück.

Auch Cato Nickel sprach davon, dass an diesem Wochenende vieles zusammengepasst habe. Neben dem Wetter gehörten für ihn natürlich auch der Heimvorteil und die Unterstützung der Zuschauer dazu.

„Ich weiß nicht, wann das jemals so krass war. Ich glaube, das war bisher das Krasseste, was ich je erlebt habe“, sagte er über die Stimmung rund um die Strecke.

Für einen Fahrer aus dem eigenen Verein ist ein solches Wochenende sicherlich etwas Besonderes. Trotzdem entsteht diese Atmosphäre nicht von allein. Eine gute Strecke genügt dafür nicht. Es braucht Zuschauer, Helfer und einen Verein, der aus einem Rennwochenende mehr macht als lediglich einen abgearbeiteten Zeitplan.

Ganz ohne Kritik ging es trotzdem nicht

Bei all dem Lob möchte ich einen Punkt allerdings nicht verschweigen. Ich bekam am Wochenende vereinzelt den Unmut einiger Besucher mit, die sich über den Zustand der Toiletten beschwerten.

Wie groß dieses Problem tatsächlich war, kann ich selbst allerdings nicht beurteilen. Ich habe während des gesamten Wochenendes ausschließlich ein Dixie – sorry für die Schleichwerbung – benutzt. Und zumindest das war bei meinen Besuchen wirklich sauber.

Alles andere wäre von meiner Seite deshalb Hörensagen und genau so möchte ich es auch einordnen.

Natürlich gehört auch die Sauberkeit der sanitären Anlagen zum Gesamteindruck einer Veranstaltung. Gleichzeitig dürfte es bei einer Veranstaltung mit zahlreichen Besuchern kaum möglich sein, über zwei Tage hinweg jede einzelne Toilette zu jeder Zeit in perfektem Zustand zu halten.

Gemessen an dem, was ich ansonsten rund um das Wochenende erlebt und mitbekommen habe, blieb die Kritik aber überschaubar.

Zwei Champions in Vellahn

Auch wenn ich bei diesem Rückblick bewusst nicht die Rennen in den Mittelpunkt stellen möchte, ganz ohne den sportlichen Teil geht es natürlich nicht. Denn Vellahn hatte in diesem Jahr noch etwas Besonderes zu bieten.

Mit Roan van de Moosdijk und Nicolai Skovbjerg konnten bereits zwei Champions der ADAC MX Masters 2026 gekürt werden. Damit bekam das Wochenende neben all dem organisatorischen Aufwand auch sportlich eine besondere Bedeutung innerhalb der Saison.

Während hinter den Absperrungen weiter gearbeitet, organisiert und dafür gesorgt wurde, dass die Veranstaltung funktioniert, wurden auf der Strecke bereits die ersten Meisterschaften entschieden. Für die vielen Helfer des MC Vellahn dürfte das eine schöne Zugabe gewesen sein.

5.000 Stunden, bevor ich überhaupt meine Kameras auspacke

Wenn ich eine Zahl von diesem Wochenende mitnehme, dann sind es wahrscheinlich trotzdem die 5.000 Arbeitsstunden. Umgerechnet entsprechen sie 625 Arbeitstagen mit jeweils acht Stunden. Und wie schon erwähnt: Die tatsächliche Zahl dürfte noch deutlich höher liegen.

Dazu kommen die Menschen, die während des Wochenendes gebraucht wurden. Streckenposten, Einweiser, Helfer an den Zufahrten, Menschen hinter den Verkaufsständen, Techniker, Organisatoren und all diejenigen, die irgendwo im Hintergrund Dinge erledigen, von denen ich wahrscheinlich nicht einmal etwas mitbekommen habe.

Viele davon sehe ich während eines Rennwochenendes nur für ein paar Sekunden. Vielleicht grüßt man sich kurz, vielleicht fragt man nach einer Zufahrt oder bekommt irgendwo geholfen. Danach geht jeder wieder seiner Arbeit nach.

Erst wenn man Zahlen wie diese hört, bekommt man eine Vorstellung davon, was tatsächlich dahintersteckt.

Motocross besteht eben nicht nur aus Rennen

Normalerweise schreibe ich nach einem Wochenende der ADAC MX Masters darüber, wer gewonnen hat, wer einen guten Start erwischte oder wer im Kampf um die Meisterschaft Punkte verloren hat. Nach Vellahn finde ich aber, dass man auch einmal über diejenigen sprechen sollte, die dafür sorgen, dass wir überhaupt etwas haben, worüber wir schreiben können.

230 Helfer. Mindestens 5.000 Arbeitsstunden. 2.000 Liter Diesel. 3.100 Euro allein für die Sperrung der L 05.

Diese vier Zahlen beschreiben das Wochenende vielleicht besser als jede Ergebnisliste.

Natürlich war nicht alles perfekt. Das muss eine Veranstaltung auch nicht sein, damit ich anerkennen kann, was dort geleistet wurde.

Cato Nickel ist Mitglied des MC Vellahn und wird seinen Heimatverein sicherlich mit anderen Augen betrachten als ein neutraler Beobachter. Trotzdem decken sich viele seiner Aussagen mit dem, was ich selbst am Wochenende erlebt habe. Die Strecke wurde intensiv gepflegt, die Verantwortlichen hörten sich Hinweise an und bei Problemen wurde nach Lösungen gesucht.

Ohne Vereine wie den MC Vellahn und Menschen, die bereit sind, einen erheblichen Teil ihrer Freizeit in eine solche Veranstaltung zu stecken, gäbe es keine vollen Startgatter, keine Zuschauer an der Strecke und am Ende auch keinen Roan van de Moosdijk oder Nicolai Skovbjerg, der dort einen Meistertitel feiern kann.

Am Sonntagabend packte ich meine Kamera ein und machte mich irgendwann auf den Heimweg. Für mich war die sechste Runde der ADAC MX Masters damit weitgehend erledigt.

Für viele der 230 Helfer galt das nicht.

Wenn die letzten Teams verschwunden sind, die Zuschauer längst zu Hause sitzen und die L 05 wieder für den normalen Verkehr geöffnet wird, muss schließlich jemand das alles wieder abbauen.

Und spätestens dann werden aus den offiziell genannten 5.000 Arbeitsstunden noch ein paar mehr.