ADAC MX Masters: Diese Aussagen der Fahrer lassen aufhorchen
Pressekonferenz beim ADAC MX Masters Grevenbroich 2026
Der Auftakt zur ADAC MX Masters Saison 2026 beginnt nicht erst auf der Strecke. Schon am Vorabend in Grevenbroich wird deutlich, in welche Richtung sich die Meisterschaft entwickeln könnte – sportlich, aber auch strukturell.
Sechs Fahrer stellen sich den Fragen, geben Einblicke in ihre Vorbereitung und liefern erste Hinweise darauf, wer bereit ist – und wo noch Unsicherheiten liegen.
Max Nagl: Entwicklung statt Zahlen
Für Max Nagl ist der Unterschied zum Vorjahr klar spürbar. Im zweiten Jahr mit Triumph geht es nicht mehr um Grundlagen, sondern um Performance. „Der Winter war wirklich gut… jetzt konnten wir auch mal ein bisschen auf Performance gehen“, erklärt Nagl. Während im ersten Jahr noch die Haltbarkeit im Fokus stand, wurde nun gezielt entwickelt und getestet.
Auffällig ist, was für ihn keine Rolle spielt. Titel, Rekorde, Historie – alles zweitrangig. „Im Moment interessiert mich das eigentlich weniger“, sagt er offen. Entscheidend ist, ob das Paket funktioniert.
Auch beim Thema Karriereende bleibt er bewusst offen: „Ich schaue von Jahr zu Jahr.“ Keine große Ankündigung, keine Festlegung.
Maximilian Spies: Entwicklung über Rennpraxis
Maximilian Spies hat seinen Winter anders genutzt als viele andere. SuperEnduro, Supercross – zusätzliche Rennen, zusätzliche Reize. „Es hat extrem Spaß gemacht und ich konnte mich so ein bisschen weiterentwickeln“, beschreibt er seinen Ansatz.
Gleichzeitig bleibt er realistisch, was den direkten Nutzen betrifft: „Ob es fürs Motocross gut ist, ich denke in einigen Aspekten schon.“
Wichtiger ist die Stabilität im Umfeld. Kein Teamwechsel, klarere Abläufe, mehr Fokus auf sich selbst. „Ich konnte mich da explizit auf mich konzentrieren“, sagt Spies. Eine Grundlage, auf der er aufbauen will.
Jan Krug: Vorbereitung mit Einschränkungen
Für Jan Krug lief die Vorbereitung nicht nach Plan. „Ich habe erst im Februar angefangen“, gibt er offen zu. Zeit, die im Vergleich zur Konkurrenz fehlt. Trotzdem wurde in kurzer Zeit viel ausprobiert, viel angepasst.
Die Umstellung auf das neue Motorrad fällt dabei weniger ins Gewicht als erwartet. „Ich bin sehr gut zurechtgekommen“, sagt Krug. Das Gefühl passt – wie belastbar das ist, zeigt sich erst im Rennen.
Seine Einschätzung bleibt bewusst zurückhaltend: „Im Training läuft alles gut… morgen sehen wir, wie es im Rennen ist.“
Jörgen-Matthias Talviku: Schritt für Schritt
Auch Jörgen-Matthias Talviku setzt auf Kontinuität statt große Worte. Nach einem starken Vorjahr geht es für ihn darum, dieses Niveau zu bestätigen. „Ich möchte an meine gute Saison anknüpfen und sie natürlich noch übertreffen“, beschreibt er seine Zielsetzung.
Der Fokus liegt dabei nicht nur auf dem Fahren, sondern auf dem Gesamtpaket: „Man muss das Gesamtpaket bieten, um gute Ergebnisse zu erzielen.“ Der Wechsel zum SHR-Motorsports-Team bringt mehr Struktur, gleichzeitig bleibt er bewusst geerdet: „Ich bleibe auf dem Boden der Tatsachen.““
Tom Koch: Klarer Anspruch
Für Tom Koch ist die Ausgangslage eindeutig. Zurück im vertrauten Umfeld, mit mehr Zeit in der Vorbereitung und einem klaren Ziel vor Augen. „Der Titel ist das Ziel… sonst wäre ich nicht hier.“
Gleichzeitig bleibt auch er realistisch. Die Leistungsdichte ist hoch, die Konkurrenz stark. Entscheidend ist für ihn, dass das Gesamtpaket passt: „Wenn ich mich wohlfühle auf dem Motorrad, kommen die Ergebnisse von allein.“
Vincent Gallwitz: Neue Perspektive
Bei Vincent Gallwitz liegt der Unterschied weniger im Material, sondern im Ansatz. Nach schwierigen Jahren hat sich sein Blick auf den Sport verändert. „Ich versuche, jeden Moment hier mehr zu genießen“, sagt er. Weniger Druck, mehr Bewusstsein.
Gleichzeitig ist die Vorbereitung deutlich strukturierter geworden. Training, Umfeld, Abläufe – alles professioneller als zuvor. Eine Kombination, die bereits im Vorjahr Wirkung gezeigt hat.
Diskussion um das Qualifying
Neben den sportlichen Themen sorgt vor allem das neue Qualifying-Format für Diskussionen.
50 Fahrer gleichzeitig auf der Strecke, begrenzte Zeit – ein Szenario, das kritisch gesehen wird. Gallwitz bringt es auf den Punkt: „Mit 50 Leuten auf der Strecke… das kann schon ein ganz schönes Chaos geben.“ Auch Spies sieht Probleme, vor allem auf engeren Strecken: „Das kann echt eng werden.“
Die Sorge: zu wenig freie Runden, zu viel Verkehr, zu viel Zufall. Noch ist nichts gefahren – aber die Skepsis ist deutlich.
Ein Auftakt mit offenen Linien
Grevenbroich liefert damit schon vor dem ersten Start ein klares Bild. Ein Feld ohne klaren Favoriten, unterschiedliche Ansätze in der Vorbereitung – und erste Diskussionen abseits der Strecke. Was daraus wird, entscheidet sich nicht in der Pressekonferenz.
Sondern morgen am Startgatter.
